Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 234 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2293000--04222-2297504- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
234 Die Gründung und Bedeutung־ des Rabbinerscminars in Berlin. sondern Ueberlieferungen darunter verstellen, die ״so klar, als ob sie vom Sinai tradiert״ seien. Oft seien alte halacbische Gesetze, deren Ursprung man nicht mehr kannte, als vom Sinai überliefert bezeichnet worden. Diese hier im Fluge behandelten Grund- und Leitsätze Frankels offenharten einen klaffenden, unüberbrückbaren Gegensatz zwischen ihm und der gesetzestreuea Gelehrtenwelt. Von der Hoaegetik wurde eine literarische Fehde ausgelost, in der, wie man heute sogen muss, die Hitze des Kampfes die Waffen auf beiden Seiten bei den Angreifern und Verteidigern über Gebühr schärfte. Ein hebräisch geschriebenes, sehr ausführlich begründetes Sendschreiben eines ungarischen Gelehrten, G. Fischer, wurde von S. R. Hirsch im Jeschurun in deutscher Uebertragung veröffentlicht und mit einer An- und Nachbemerkung versehen. Fischer zeigte mit einem sehr reichen Beweismaterial, dass der Talmud selbst, seine Erklärer, alle für die Entscheidungen des Religionsgesetzes massgebenden Autoritäten, Eascbi, Maimonides, Nachmanides, einen dem FrankeBschen diametral entgegengesetzten Standpunkt einnähmen und den sinaitischen Ursprung sowohl der Erklärungen wie der Deutungsregeln wie der eigentliehen *הלנה למשה משעי im buchstäblichen Sinne des Wortes ausdrücklich anerkennen17). Gegenüber der Methode des Angriffs, der zunächst in dem Nachweis gipfelte, dass der Verfasser der neuen Hodegetik zur Mischna sich zu den herkömmlichen traditionellen Begriffen in einem unlöslichen Gegensatz befinde, und gegenüber dem Angreifer, der von neuzeitlicher Wissenschaft weder etwas verstand noch wissen wollte, konnte sich Frankel auf die Erklärung zurückziehen, die im Aprilheft der Monatsschrift 1861 erschien, ״er habe den tieferen wissenschaftlichen Gehalt der Mischna und ihr hohes Alter nachweisen wollen.. Ueber Dogmatisches habe er nicht zu sprechen gehabt. Der wissenschaftlichen Forschung genügte es, das hohe Alter der Halacha nachzuweisen״. Erfolgreicher und glücklicher war schon 17) Die gesamte Literatur für und wider ist zusammen gestellt bei L. Dobschütz, Frankels Einleitung in die Mischna M. G. W. J. 1901 p. 275 ff.