Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 232

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 232 (sequence 34)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2293000--04220-2297502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

232 Die Gründung und Bedeutung des ]Rabbinerseminars in Berlin. Leitung der ersten jüdisch-theologischen Anstalt nach seinen Grundsätzen und Anschaungen übertragen. Dass sein Geist sie durchwehe, ihr das Gepräge verleihe, war Grundbedingung für seinen Eintritt. Gegenüber den destruktiven Tendenzen, die sich bisher als die allein herrschenden aufgespielt hatten, war Frankel eine conservative Natur. Gegenüber der Zerstörungswut der Reform brachte er eine tiefe Verehrung für das geschichtlich Gewordene mit und sah in einer ״gemässigten Reform״, die nicht einreissen, sondern aufbauen wollte, die Losung für Gegenwart und Zukunft. Gegenüber der Willkür und Grundsatzlosigkeit verlangte er ein festes Prinzip, das die Möglickeit bot, die Regeneration des Judentums, wie er sie sich dachte, in ruhige, gesicherte Bahnen zu lenken. Die Wissenschaft, in strenger Sachlichkeit nach modernen Methoden aufgebaut, sollte aus dem Labyrinth der sich überstürzenden und verworrenen Zeitmeinungen zu einer klaren und gesicherten Auflassung des Judentums leiten. Seinen Anschaungen und Ueberzeugungen nach war er und wmllte er ein Mann der Mitte, der Vermittlung sein, der in der Ueberlieferur-g des talmudischen Judentums wurzelte und dennoch gewissen Anforderungen der Gegenwart sich nicht veischliessen mochte. Es ist einleuchtend, dass auch die gesetzestreuen Kreise von seiner Lehrtätigkeit und von dem Institut, das ״die jüdische Theologie nach geeigneter Methode in materialer Vollständigkeit und in untrennbarer Vereinigung mit allgemeiner gelehrter Bildung״ pflegen wollte, Erspriessliches erhoffte. Das Rückgrat des historischen Judentums war Frankel die Halacha, die auch der Mittelpunkt seiner Studien war. ״Eine Entwicklungsgeschichte der Halacha dürfte wohl einen Grundstein zu dem neu vorzubereitenden Baue bilden: und diesen zu liefern, war seit mehreren Jahren der Gedanke, der meine Studien belebte. Eine Erörterung, die zeigte, wTie das einzelne der Halacha ins Leben getreten und wie sie von einfachen Anfängen sich in jene reichen, wildbrausenden Ströme ergoss, eine Untersuchung, durch welche erkannt würde, was jeder Zeit angehört, was ferner aus dem jedesmaligen Bedürfnis hervorging und was der freien Forschung sein Entstehen verdankt; . . . würde ein klassisches

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.