Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 31 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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a Die Gründung und Bedeutung des RabbinersemtDars in Berlin. 31 nur einige Beispiele für die grundsatzlose Willkür, mit der dieser hervorragendste Führer der Reform die Einrichtungen der Synagoge behandelt, die wiederum von seinen Kritikern gebührend beleuchtet werden. Der Ton der damaligen Polemik ist für unsere Begriffe merkwürdig scharf. Wer die milde, besonnene, abgeklärte Denkart Isr. Hildesheimers aus späteren Lebensepochen kennt, ist erstaunt über die schneidende Bitterkeit und spitze Schärfe in diesen wissenschaftlichen Darlegungen. Sie sind z. T. wmhl in der Erregung begründet, welche die Zeit erfüllt, z. T. in jener, die in frommen Gemütern durch die Leichtfertigkeit, mit der ihre Heiligtümer behandelt wrerden, hervorgerufen wird, zumeist aber sind sie nur das Echo der Sprache, deren die Vertreter der Reform gegen die Orthodoxie sich bedienten. ״ Mucker, Finsterlinge, Idioten, närrischer Chassid“, kein Wunder, dass die Gegenseite in ähnlicher Form replizierte. Ein Meister in der Kunst der Verhetzung war Leopold Löw, der Redakteur der Zeitschrift Ben Ckananjah, mit dem Hildesheimer in Ungarn scharfe Kämpfe zu führen hatte13). Aber auch Philippson in der ״Allgemeinen Zeitung des Judentums“ lässt es in dieser Beziehung an sich nicht fehlen. Dass übrigens die kampferregte Stimmung in der Zeit lag, ersieht man aus der Art, wie die Freunde der Reform sich gelegentlich gegenseitig behandelten. Löw, der von Philippson wregea seiner politischen Haltung in Ungarn angegriffen wurde und die Allgem. Zeitung des Judentums ein ״heruntergekommenes Blatt“ genannt und sich über deren Herausgeber lustig gemacht hatte, wird als ein ״auf dem Gebiete der gemeinen Polemik und der persönlichen Angriffe altbew ährter Meister“ bezeichnet, über dessen ״elende Tiraden man sich hinwegsetzen könne, da Herr Löw zu den falschen Propheten, zu den Bileams gehöre, deren Fluch und Schimpf sich gewöhnlich in Segen und Lob verwandelt“. Für das Charakterbild des Herausgebers des B. Ch., immerhin eines der gelehrtesten und streitbarsten Vorkämpfer der Reform, aber bleiben die Auszüge interessant, die aus dessen für jüdische 13) Hildesheimer, Wie ein Charlatan repliziert. Israelit 1861 Nr. 8, 10, 11.