Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 28 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Die Gründung־ und Bedeutung des Rabbinerseminars in Berlin. belebte, auch wohltuend angeregt fühlten*. So urteilt Jost, damals noch ein Anhänger der gemässigten Reform. Dass auch diejenigen, die auf der Gegenseite auf dem äussersten Flügel standen, sich der Einwirkung seiner Persönlichkeit nicht zu entziehen vermochten, zeigen die Worte der Anerkennung, beinahe derVerehrung, die der Begründer der Berliner Reformgemeinde, S. Stern, in seiner ״Geschichte des Judentums von Mendelssohn bis auf unsere Zeit״ dem Auftieten und der Wirksamkeit Hirsch’s widmet. Noch heute wird Niemand, der mit der wahren Empfindung des Herzens dem Judentum© angehört, die ״Neunzehn Briefe״ Ben Usiels oder Nafiaiis, wie sich der Schreiber nennt, zu lesen im Stande sein, ohne sich von dem Hauche eines Gernütes angeregt zu fühlen, in dessen Tiefen mächtige Begeisterung für die erhabene Grösse des Judentums lebt; Niemand wird in dem Gedankengange, der diesen Briefwechsel beherrscht, das Walten eines Geistes verkennen, der den Gang der Menschen- und Vöikergeschichte 11,it durchdringendem Blick zu erforschen sucht und die Ursachen des Judentums wie die Geschichte Israels von ihren ersten Anfängen bis auf die Gegenwart mit dem Mass einer grossartigen Idee zu messen versteht11). Wie mit einem Zauberstabe verstand Hirsch, den tiefen, dem Laienauge oft so verborgenen reichen Ideengehalt des Schrifttums, der Satzung, des Brauchs herauszuheben und vor den Augen der erstaunten Leser eine Fülle von Schönheit, Anmut und Geist und Herz erfreuender Bildung auszubreiten, die Niemand der mit dem Stigma der Unkultur, ja der Feindseligkeit gegen alle Kultur gezeichneten Thora zugetraut hätte. Hirsch richtete wie in den ״Neunzehn Briefen״ sein Hauptaugenmerk auf die Jugend, seine Arbeit und Fürsorge galt in erster Reihe der Schule. Die Reform hätte sich in Deutschland wie in der ganzen Welt nicht so rasch und so wreit ausbreiten, die Herrschaft in den Gemeinden nicht so an sich reissen können, wrenn das Volk eich nicht von dem ״Quell lebendigen Wassers״ entfernt, wenn man es nicht systematisch von ihm ferngehalten hätte, um seinen 11) p. 242. Israelit 1861 p. 301.