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Jeschurun · 1920-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1920) · p. Seite 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 24 (sequence 24)
Language
German
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24 Die Gründung und Bedeutung dss Rabbinerseminars in Berlin. der logischen Erkenntnis, sondern ״einer plötzlichen Erhebung, einer intellektuellen Anschauung״. Das sei Offenbarung6). Die Bibel ist für Geiger zwar das einzige kanonische Buch, das wir besitzen, aber er spricht über Entstehung, Zusammen- Setzung, Abfassungszeiten, Redaktion der biblischen Bücher, einschliesslich der Thora im Sinne der kritischen Schule in der christlichen Theologie und zerstört damit den Nimbus ihrer Heiligkeit und unbedingten Verptlichtungskraft. Der Talmud ist wiederholt Gegenstand seiner Forschung. ״Die 7) Tradition, der die ganze talmudische und rabbinische Literatur ihr Entstehen verdankt, ist nichts anderes als das Prinzip der beständi gen Fortbildung und zeitgemassen Entwicklung, als das Prinzip, nicht Sklaven des Buchstabens der Bibel zu sein, sondern nach ihrem Geist und nach dem echten Glaubensbewusstsein, das die Synagoge durchdringt, fort und fort zu zeugen. Daher erkennt das Judentum ganz wohl das Amt einer mündlichen Lehre an, die nach dem Geist und nach der Zeit *das geschriebene Wort, das bei beständiger Stagnation des Todes verbleichen müsste, stets neu mit dem eigentümlichen Geist zu beleben, zu restaurieren und zu regenerieren wisse.“ Die Tradition ist bei Geiger nichts anderes als das Spiegelbild und der Niederschlag der geschichtlichen Entwicklung. Die Pharisäer, die Träger und Bewahrer der mündlich überlieferten Lehre, liessen nach ihm ״den Buchstaben der Bibel sagen, was die Zeit sagte. — Der Pharisäismus war daher völlig zeitgemäss.“ (ib. p. 91). Es habe demnach jede Zeit nicht bloss das Recht, sondern geradezu die Verpflichtung, die Religion mit ihrem Denken und Glaubensbewusstsein in Einklang zu bringen. Nur was in ihr noch diesem entspreche, mit ihm übereinstimme, sei lebendige Religion und gültig, der Zeitgeist möge als Wertmesser über die Gültigkeit religiöser Normen bestimmen. Die kritische Scheidung des Wesentlichen und Unwesentlichen führt Geiger zu dem Ergebnis, dass der ״Kern“ in den religiösen Ideen des Judentums, wie sie die prophetische Lehre enthalte, zu finden sei, dagegen 6) Geiger: Nachgelassene Schriften II. p. 6. ל) Geiger, Ansprache an meine Gemeinde. Nachgel. Sehr. I p. 92/93.

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