Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Rabbi Esriel Hildesheimer זצ״ל. Stein am Tempel des Herrn und baute den Frommen ein Haus, dies stattliche Haus, dass es ihnen Schatten spende vor der rerdörrenden Glut, dass es ihnen Schutz und Schirm sei Y0r dem Unwetter draussen. Doch wir blicken durch’s Fenster und siehe, auf der Strasse ein unsinniger Jüngling. Verlassen hat er das schützende Dach, geht allein seines Weges und siehe, unvermerkt naht er ihrer Ecke, schreitet er den Weg zum Hause des ״fremden Weibes״. Ihr kennet das Weib. Eine Tyrerin war es zu Achabs Zeit, eine Hellenin in den Tagen der Makkabäer: einem vom Taumel der neu erworbenen Freiheit berauschten Volke zog sie als Göttin voran und thronet heute an den Stätten der Forschung. Vor der Jahrtausende drei nannte man es Götzen־ dienst, vor zwei Jahrtausenden Hellenismus; da die Völker ihre Fesseln abwarfen, wrar es die Göttin Vernunft und heute — moderne Weltanschauung. Und dies Weib tritt dem Jüngling entgegen, sie bleibt nicht keusch in den Mauern ihres Hauses. Stürmisch ist sie und unbändig, im Hause ruhen nicht ihre Füsse. Sie redet vom Lehrstuhl zu Königen auf ihren Thronen, redet beim Mahle durch den Freund zum Freunde. Und sie fasst ihn und küsst ihn, von der Liebe spricht sie zu ihm, von der Liebe, mit der sie die ganze Welt an’s Herz drückt, von der allumfassenden, mit der sie die ganze Menscheit beglückt. Und von der Pflicht spricht sie zu ihm, von der socialen, Frieden zu stiften zwischen den Ständen, zwischen Herren und Knechten. ״Friedensopfer liegen mir ob, heute zahle ich mein Gelübde.״ ״Nun denn, Ihr Söhne, höret auf mich, merket auf die Worte meines Mundes! Lass Dein Herz nicht abbiegen auf ihre Wege, verirre Dich nicht auf ihre Steige! Denn gar viele sind der Erschlagenen, die sie gefällt, zahlreich, die sie alle gemordet hat. Wege in den Scheol — ihr Haus, sie führen hinab in die Kammern des Todes.״ Und auf dass Ihr gefeit seid gegen die Gefahr, soll Euer Auge heute schauen den Lehrer, Euer Ohr vernehmen den Ruf