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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 193

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 193 (sequence 84)
Language
German
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193 Wir und die Ostjuden finden. Das führt leicht zur Unzuverlässigkeit besonders in Bezug auf Treu und Glauben im Handelsverkehr, und dieser Umstand hat wesentlich zu dem abfälligen Urteil über die Ostjuden beigetragen. Und doch ist zur Zeit echtes jüdisches Leben nur bei ihnen vorhanden! Man muß sich nur hüten, in ihrer Weltanschauung und Geistesrichtung, insbesondere auch in ihrer Art zu lernen, schlechthin das Ideal zu sehen. Ueberdies wurzeln wir zu sehr in nichtjüdischer Kultur und Wissenschaft, und wir können uns nicht, selbst wenn wir es wollten, in gleicher Weise wie sie, gegen diese Einflüsse abschließen. Die Aufgabe besteht darin, hier eine Synthese zu schaffen. Versuche dieser Art sind zu allen Zeiten gemacht worden, und das Problem is z. B. von Philo und von Saadia, vom Rambam und vom Ralbag für ihre Zeit in gewissem Sinne gelöst worden; und es muß auch für die Gegenwart gelöst werden. Der erste Versuch dieser Art ist in neuerer Zeit von Moses Mendelssohn gemacht worden, aber er muß im wesentlichen als gescheitert gelten. Mendelssohn wurzelte in den rationalistischen Anschauungen des Aufklärungszeitalter^s. Er glaubte, daß die Erkenntnis Sache des verständig überlegenden Denkens sei, und daß die gewonnenen Ergebnisse für alle Zeiten in gleicher Weise Geltung hätten. Er schrieb den zu seiner Zeit herrschenden Anschauungen absolute Richtigkeit zu. Hiervon ausgehend suchte er das Problem dadurch zu lösen, daß er in den Lehren des Judentums diese Ansichten nachzuweisen sucht. In dem Augenblick, in dem man die Schwächen des rationalistischen Systems erkannte und es alsbald zusammenbrach, hatte der Mendelssohnsche Lösungsversuch seinen aktuellen Wert verloren. Weit mehr vom Standpunkt des Judentums aus hat Samson Raphael Hirsch zu dem Problem Stellung genommen. Nicht von der vernünftigen Ueberlegung des Einzelnen und von den herrschenden Meinungen seiner Zeit geht er aus, sondern lediglich von der jüdischen Lehre in den Gestalt, wie sie uns in גמרא ׳מדרש und bei den פוסקים vorliegt. Es handelt sich lediglich darum, diesen gedanklichen Gehalt festzustellen und in den Konsequenzen auszubauen. Die Rücksicht auf die außerjüdische Wissenschaft tritt

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