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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 190

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 190 (sequence 81)
Language
German
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Wir und die Ostjuden 190 deutsche Juden das rechte Elixier sei, das kann zweifelhaft erscheinen. Man hat die Frage, wie die geschichtliche Entwicklung der deutschen Judenheit während des 19. Jahrhunderts, die so schnelle Abkehr von dem durch Jahrtausende Ueberlieferten und Festgehaltenen zu erklären sei, bisher schwerlich genügend zu lösen vermocht. Die äußere Emanzipation, das Bekanntwerden und Sichvertiefen in die außerjüdische, d. h. meistens unjüdische Wissenschaft hat wesentlich dazu beigetragen, ohne daß jedoch dadurch das סרו מהר מן הדרך vollständig erklärt würde. Soviel ist aber sicher: Diese Wandlung in der großen Masse der westeuropäischen Judenzeit vollzog sich nicht vermöge eines äußeren Zwanges oder besonderer äußerer Einflüsse, sondern von innen heraus in genetischer, Weise. Und jetzt glaubt man dieses Rad der Entwicklung zurückdrehen zu können? Deckt sich doch derjenige Zustand, weleher erstrebt wird, in religiöser Beziehung mit den Verhältnissen in Deutschland vor 150 Jahren. Es widerstrebt aller! geschiehtliehen Erfahrung, eine solche Entwicklung künstlich zu beseitigen, und wenn es möglich wäre, müßte sie vermöge des Kausalgesetzes im wesentlichen von neuem wieder einsetzen. Gewiß verläuft die geschichtliche Entwicklung in einer Wellenlinie, aber doch nicht so, daß sie zu einem früheren Stadium zurückkehrt. In der Weilenlinie ist vielmehr ei^e fortschreitende Bewegung kaum zu verkennen. Es ist ein unhistorischer Gedanke, zu einem früheren Stadium der Entwicklung schlechthin zurückkehren zu wollen. Und ferner!! Kann uns die geistige und moralische Art des polnischen Juden als Vorbild dienen? Soweit durch die Drangsale des zaristischen Regimes und die Leiden des Weltkriegs das Niveau herabgedrückt ist, handelt es sich um äußere Einflüsse, deren Beseitigung über kurz oder lang insoweit zur Gesundung führen wird. Aber ich glaube nicht, daß der äußeree Druck alles erklärt. Bezeichnend ist daß in den bisher preußischen Landesteilen, m welchen zur Zeit eine starke polnische Einwanderung stattfindet, diese bereits ein Stein des Anstoßes geworden ist. Das gilt nicht sowohl für die ungünstige wirtschaftliche Lage der Einwanderer — in dieser Beziehung kann und wird Hilfe geleistet —

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