Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 185 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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Cheruth 185 ׳allem Erdenleben des Menschen zu erhalten? Und in Lehre und Gesetz haben wir zwei Urformen kennen gelernt in denen sich das religiöse zur Gestaltung bringt. Wie aber hat Buber versucht, dieses Problem zu lösen? Da er keine Bestätigung des Absoluten in Lehre und Gesetz anerkennt, verurteilt er das Absolute zu einem rätselhaften Dasein in des Men־ sehen Brust. Da er nicht die Objektivität des religiösen Erlebnisses .anstrebt erschöpft er sich, das Absolute (so wie er es versteht) in immer neuen Wendungen zu umschreiben, den Volksgeist als einen Kronzeugen anzurufen und bedeutungsvoll auf die große geistige Bewegung hinzuweisen, ״die wir die jüdische Bewegung nennen und die eine Wiedergeburt und keine Romantik ist“. Wir aber können hier nichts anderes als nur fragen: Was ist der genaue Sinn dieser von Buber geahnten ja schon halb erblickten Wiedergeburt? Und es ist dringend erforderlich, diesen beschwörenden und oft rätselhaften Aussprüchen mit der kritischen, aber vielleicht ebenso tief schürfenden Frage entgegenzutreten: Was heißt er uns denn tun? Und ist es überhaupt möglich, die reine Ekstase zu verwirklichen, ohne sie in irgend einer Lehre und in irgend einem Gesetz niederzulegen? Wir haben die letzten Beweggründe des Buberschen Denkens aufgedeckt, weil wir wünschen, daß man von schwierigen Dingen klar und unzweideutig spricht, daß man philosophisch das Problem ergreift und seine letzten Schwierigkeiten zeigt. Und es ist wohl mehr als eine Analogie, daß wir oben das erkenntnistheoretische Moment der religionsphilosophischen Fragestellung (in Hinsicht der Kausalität und des Verhältnisses von Subjekt und Objekt) betont haben, denn letzten Endes müssen auch hier die erkenntnistheoretisehen Grundfragen berührt werden; nicht aber nur das subjektive Erlebnis, das freilich die bedeutendste Komponente des religiösen Bewußtseins ist, aber über sich hinausweist in das Gebiet objektiveren Seins, in das Reich außerpersönlicher Werte. Denn dies ist das Seltsame und fast Paradoxe der religiösen Werte wie aller Werte überhaupt: daß sie, obwrohl am mensch- ■liehen Bewußtsein geltend, dennoch beanspruchen müssen, eine