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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 184

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 184 (sequence 75)
Language
German
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Cheruth 184 Wir haben schon angedeutet und möchten es jetzt noch genau aussprechen: daß auch uns das Erlebnis des Göttlichen das Wesentlichste ist. Aber wir erkennen in Lehre und Gesetz die beiden religiösen Kategorien, die notwendig sind, damit das Erlebnis nicht in seinem eigenen Feuer erstickt. Denn dies ist die Gefahr der reinen Intuition, die sich nicht an der Welt der menschlichen Tatsachen zu bestätigen vermag: daß fie, als reine Ekstase ohne Gehalt, als reine Schwärmerei ohne Gegenstand, eigentlich kein Zentrum hat, um das sie sich kristallisieren kann; daß sie in der Ohnmacht ihres richtungslosen Gefühls zusammenbricht. Haben sich aber solcherart Lehre und Gesetz am Absoluten orientiert, was bleibt von allem bestehen, das Buber vorwurivoll behauptet, ohne den Gegenstand einer Kritik genau zu nennen? Kann hier noch der Vorwurf bestehen bleiben, Lehre und Gesetz ließen das Absolute erstarren? Auch wir verschließen uns nicht der Gefahr, daß im rein Schematischen eine Erstarrung möglich ist. Aber es muß sogleich die Richtigstellung folgen, daß jüdische Lehre und jüdisches Gesetz kein derartiger Schematismus sind, daß sie vielmehr die Vitalität des religiösen Erlebens selbst bedeuten, das unendliche Gottgefühl in die uns Menschen möglichen Formen des Geistes und des Willens spannend. Und doch will es uns scheinen, als sei die Bubersche Ansicht der unseren gar nicht so fern. Denn er glaubt Lehre und Gesetz nicht anerkennen zu können, weil sie sich von dem Vitalen des lebendigen Gott-Erlebnisses entfernt hätten. So müßte doch sogleich eine neue Einstellung folgen, wenn es sich zeigen ließe, daß Lehre und Gesetz niemals der Hemmschuh sein können für das lebendige Gottgefühl. Eine gesonderte Untersuchung müßte beweisen, wie noch hinter jedem Gesetz und hinter jeder Lehre das umfassende Erlebnis der Gottheit steht; daß in der Gottheit erst sie ihre letzte Fundierung finden. Hier genüge dieser Satz als Postulat, das im religiösen Erlebnis des Juden jederzeit seine Bestätigung findet. Das religöse und religionsphilosophische Problem ist also dahin zu definieren: wie vermag sich das religiöse ״Absolute“ noch in

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