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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 180 (sequence 71)
Language
German
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Cheruth 180 scher Betrachtung sowohl Gott wie religiöses Bewußtsein einfach nur auf Subjektivität reduziert? Aber indem die Tatsache der Offenbarung gelehrt wird, hat man wohl ein neues Rätsel anerkannt, aber in seiner ewigen Unlösbarkeit und gleichwohl lebendigen Daseinsart sowohl Gott wie religiöses Bewußtsein zu der uns Mensehen möglichen Erklärungform gebracht. Jetzt begreifen wir in einem vertieften Sinn, warum die göttliche Eristenz der Grund- Pfeiler der jüdischen Religionsphilosophie und ־Übung ist; denn sie hat nicht nur die Welt, sondern auch die Offenbarung geschaffen, um den Konnex zu vermitteln zwischen dem menschlichen Bewußt־ sein und dem menschenfernen oder menschennahen Wirken des göttlichen Wesens. In der Offenbarung schließt sich eine religionsphilosophische Lücke, in ihr wird die Kluft zwischen der Gottheit und dem religiösen Bewußtsein der Menschen überbrückt. Und es wird so lehrreich, daß Maimonides, in den הלכות יסודי התורה eigentlieh immer wieder auf Gott zurückkommt, als den Inbegriff der jüdischen Religion. Dieser objektive Sinn aber geht der Buberschen Auffassung verloren. Für ihn ist das religiöse Absolute nicht Gegenstand einer objektiven Erkenntnis (denn auch die religiöse Erkenntnis bezieht sich auf Objektives, insofern sie gewisse Tatsachen und Ideen als außerhalb unserer subjektiven Anteilnahme anerkennt), für ihn heißt das religiös Absolute nicht eine ganz außerpersönliche und über allen menschlichen Zufälligkeiten und Bewußtseinszuständen erhabene Gegenständlichkeit, sondern er weist in einem vertieften und innig erlebten Sinn den Weg zur jüdischen Volksgemeinschaft. So soll die Wechselbeziehung entstehen, daß die Volksgemeinschaft ebensowohl das religiöse Erlebnis vertiefen wie an ihm selbst zur Vertiefung und Neugestaltung kommen soll. Und er kommt zu der seltsamen Sachlage, daß aus dem religiösen Erlebnis der Jugend auch ihr inneres nationales Leben neue Kräfte schöpfen könne, weil nationale Erneuerung des Judentums nur bedeuten werde, den Geistesprozeß des Judentums, seiner Art nach stets ״ein religiöskämpferischer,!religiös^schöpferischer“, wieder aufziunehmen und zur schöpferischen Weiterentwicklung zu bringen. Offensichtlich wird hier das Religions-Absolute Mittel zum Zweck, Mittel nämlich zu nationalen Wiedergeburt und Festigung.

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