Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 176 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Cheruth 176 (Gott) zu sehen, von der Erde, noch kann man ihn mit menschlichen Augen messen. Gott sieht alles auf einmal, kann aber von keinem gesehen werden. Die Schriftgelehrten betonen aber auf der anderen Seite, daß Gott in Zukunft oder in der Sterbestunde von der Seele geschaut werden kann. Es dürfte nicht zu gewagt sein, die Entstehung wie die Entwickelung dieser Vorstellung aus der altjüdischen Apologetik herzuleiten. Reitzenstein, Poimandres, p. 240, Höennicke. Neutestamentliche Apokryphen p. 18,3 und Handbuch p. XIV. sehen in diesen Vorstellungen Einflüsse der hellenistisehen Theologie, was unsere Theorie natürlich Umstürzen würde. Allein, selbst wenn der hellenistische Ursprung gesichert wäre, so würden wir hier nicht einen vereinzelten Fall vor uns haben, in dem die Apologetik sich fremde Vorstellungen zu Nutze macht und umgestaltet ״Cheruth״ von Martin Buber. Eine kritische Studie von Hermann Weyl. Hier wurde versucht, das religöse Problem zu lösen als das Problem der Jugend. Weil diese vermöge ihrer ״Alloffenheit44, das ist doch wohl ungeheuren Rezeptivität, der ganzen Welt gegenüberstehe, müsse auch gerade sie es sein, die dem Problem unserer heutigen Zeit, dem religiösen Problem sich neu ergeben und ihm neue Ideale und schöpferische Prinzipien abgewinnen müsse. Wir werden im Verlaufe noch sehen, daß dies nicht der einzige, wohl allzuverständliche Fehler dieser Auffassung bleibt. Hier sei nur betont, daß zu Beginn der Ausführungen diese halb psychologische halb ästhetische Begründung steht, die wir ablehnen müssen, weil für uns das religiöse Problem ein viel prinzipielleres und durchaus zeitloses sein muß. Aber dieser psychologisch-ästhetische Auftakt hat hier tiefere Bedeutung. Denn ganz richtig wird erkannt, daß die Schöpferkraft des jüdischen Geistes in seiner religiösen Energie liegt, diesem Urtrieb des jüdischen Bewußtseins, diesem innersten Grundcharakder. seines Geistes. Und was wäre selbstverständlicher als ihn dort