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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 175

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 175 (sequence 66)
Language
German
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B 175 Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik Zu Ps. 17,15: ״Ich jedoch werde dein Antlitz in Gerechtigkeit schauen44, wird die Frage erörtert: Ist es möglich, Gott zu sehen? Heißt es nicht: Keiner kann Gott sehen? Die Antwort lautet: Der letzte Vers bezieht sich auf diese Welt, aber in der kommenden Welt, nach der Auferstehung, werden wir Gottes Antlitz schauen! (Vergl. Jes. 25. 9. 52,8; Midr.־Ps. ed. Buber p. 134, ed. Prag p. 15a)! Aehnlich verhält es sich mit der zweiten Vorstellung! R. Ak i ־ bah lehrte, daß selbst die Träger des Thrones der Herrlichkeit Gott nicht sehen. Sein Schüler R. Simon ben Jochai will diesen Satz auch auf die Engel angewendet wissen. R. D 0 s a ben Hyrkanos will diese Unmöglichkeit, Gott zu schauen, auf Grund der erwähnten Schriftstelle nur auf die Lebenden angewendet wissen, jede Seele wird Gott schauen — nach dem Tode Sifra 3B, Numeri r.c. 14, Lekach Tob. Exod. p. 205, M. Ag. p. 185). Es gibt einen Moment, einen heiligen und ehrfurchtgebietenden, im Leben eines jeden Menschen, wenn er Gott schauen kann, nämlieh auf dem Scheidewege stehend zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit, zwischen dem irdischen und himmlischen Heim, zwischen Diesseits und Jenseits. Die Pirke des R. E1 i e s e r (c. 34, vrgl. Jalkut Ex. 296) drückt diese Lehre etwa wie folgt aus: Keine Seele scheidet vom Körper ohne die Schechina gesehen zu haben. Die Lehre ist, wie wir gesehen haben, tannaitischen Ursprungs. Letzteres wird noch in einer anonymen Agada belegt: Mit Bezug auf Deut. 23,12 wurde die Frage erörtert: Warum ist es gesagt: Er kannte Gott von Antlitz zu Antlitz? Vorher heißt es: Laß’ mich deine Herrlichkeit sehen! Gott antwortet: In dieser Welt kannst du es nicht sehen, du wirst es sehen in der kommenden Welt. Wann sah er es? Vor seinem Tode! Das lehrt dich, daß die Sterbenden Gott sehen! (Sifre Deut. 35), vgl. auch die Ausdrücke גהבין מזיו ׳השכינה b Ber. 17 a ׳מקבלות פני שכינה b. Sanh. 103 a und מכניסין ׳אותו במחיצתו של הקב״ה b B B. 98 a ferner, J. Freudenthal, die Flav. Josephus beigelegte Schrift p 69 u. 2). Wir sehen auf einer Seite, daß die Lehrer des Judentums die Lehre angenommen haben, daß kein Sterblicher Gott sehen kann, wie die Sybil. Orac. 10—12 es verkünden: Es ist unmöglich ihn

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