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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 173

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 173 (sequence 64)
Language
German
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173 Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik geben. Er dachte, und mit Recht, daß die Fragesteller oder Kritiker gar nicht im Stande sind, im Ernste auf diese Frage einzugehen. Er fertigt sie daher mit einer mehr humoristischen Antwort ab. Humor und Witz spielen ja bekanntlch in diesen Gesprächen eine große Rolle. Der gefeierte Lehrer aus Lydda mag wohl auch einer von Gibbons Barbaren gewesen sein, der es ahnte, daß das Ende Roms mit Riesenschritten herannaht. Vielleicht wurde es dem auch sonst scharfsichtigen Agadist klar, daß trotz der Siege und des Luxus, ungeachtet der großartigen Schaustellungen und Unterhai־ tungen die strafende Hand des Weltenrichters über Rom ausgespannt sei. Vielleicht sah er ein Rom seiner Tage, ein Rom, mit gebrochener Lebenskraft, erschütterten Nerven, mit einer arbeitsscheuen und lebensüberdrüssigen Bevölkerung, mit einer corrupten und disziplinlosen Armee und Beamtenschaft, die die ganze Welt aussaugte und unterjochte, die Dämmerung einer neuen Zeit und Weltordnung (vergl. Gibbons, Decline and Fall. I p. 314). Die Lehre vom unsichtbaren und allgegenwärtigen Gott bedurfte auch der Verteidigung gnostischen Angriffen gegenüber. Aus der Ketzergeschichte des Irenäus (Adv. haer. I 19.) erfahren wir, daß die Gnosiisker an einen unsichtbaren höchsten Gott glaubten. Ihrer Meinung nach kannten die Juden diesen Gott nicht. Als Beweis führen sie Erod. 33,20 an: Keiner kann Gott sehen und leben. Zu dieser Stelle wird im Talmud (b. Ber. 7a) eine Auslegung gebracht, die in ihrer legendarischen Gestalt die apologetische Tendenz sofort verrät. Du kannst mein Antlitz nicht sehen, d. h. Gott sagte zu Moses, als ich wollte (mich zeigen), wolltest du nicht, jetzt da du mein Antlitz sehen willst, will ich nicht (s. meine Rel. Stud. I, p. 58). Der Autor dieses Satzes istR. JosuabenKorcha, der in seiner Zeit als einer der eifrigsten Verteidiger der Gotteslehre und seiner Nation gewirkt hat. Was veranlaßte diesen Lehrer einen solchen Dialog zu dichten? Er beabsichtigte mit seinen Worten etwas, was tiefer liegt, als die oberflächliche Betrachtung vermuten läßt. Er wollte gewiß sagen: Moses kannte den höchsten Gott, er hatte Gelegenheit ihn zu sehen, und es gibt gar keinen zweiten Gott, von dem die Gnostiker so viel faseln und träumen.

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