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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 172

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 172 (sequence 63)
Language
German
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Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik 172 Teppichen und Vorhängen bedeckt, Perlen und Kostbarkeiten auf denselben. Der Mann fiel ehrfurchtsvoll auf sein Antlitz, während die Umherstehenden sagten: Sieh’, deine Augen können diese Kostbarkeiten nicht ertragen, wie könntest du es wagen das Gesicht des Herrschers zu betrachten? (Sifre Deut. § 355). Wir Menschen, dachte der Agadist, können so vieles was wir mit den Sinnen wahrnehmen, nicht betrachten und richtig begreifen, wie wollten wir erst unsern Glauben an das Dasein Gottes von seiner Sichtbarkeit abhängig machen? Dieser Beweis ist allerdings dem kosmologischen sehr ähnlich. Es gibt aber auch verschiedene Stellen in der Agada. besonders in den zahlreichen Königsgleichnissen, in welchen der Gedanke zum Vorschein kommt, den Theophilus in die oben erwähnten Worte kleidet. Wie die Gesetze und Verordnungen, Heeresmacht und Bildnisse des Königs auf dessen Dasein, obwohl unsichtbar, schließen läßt, so lenkt Gesetz und Geschichte, Leben und Natur auf einen allmächtigen Himmelslenker hin. In der außerordentlich tragischen Geschichte Israels wurde an die Armen und Verfolgten oft die Frage gerichtet: Wo ist dein Gott, Israel? Die Frage wurde in zwei verschiedenen Formen gestellt, ln der älteren Agada hat diese Frage eine religiöse Färbung. Das Dasein und die Allmacht Gottes wurde von den Frage- Stellern bezweifelt. Die Anbeter des Erfolges konnten es nicht begreifen, daß ein allmächtiger Gott seine Anbeter den Feinden preisgeben soll. In der spätem Agada kommt mehr und mehr die politische Seite zum Vorschein, obwohl sie sich in den Mantel der Religiösität hüllt. Die Niederlage der Juden ist bei den Heiden^ wie bei den ihnen folgenden Christen nur ein Beweis, daß Israel von Gott verstoßen sei, ein Problem das uns in einem der nächsten Kapitel besonders beschäftigen wird. Nach dieser Voraussetzung dürften wir den Satz des R. Joshua benLevi verstehen, der dahin lautet: Wenn dich jemand fragt: Wo ist dein Gott? — so antworte ihm: In der großen Stadt Rom! Warum? Weil es geschrie- .ben steht: M e i n G 0 11 ruft von Seir 0• אלי Jes. 21,11; j. Taanith 64a). Der oder die Fragesteller sind hier Heiden, und der Schriftgelehrte hatte entweder bereits seine Geduld verloren oder hielt es für nicht der Mühe wert, sich mit solchen dummen Fragen abzu-

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