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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 169 (sequence 60)
Language
German
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169 Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik n a n j a, der mit einem ähnlichen Fragesteller sich abgeben mußte, war gezwungen, etwas näher auf diese Frage einzugehen. Der Kaiser äußert den Wunsch: Ich möchte doch deinen Gott sehen! RJbCh.: Das ist unmöglich! K.: Ich muß ihn sehen! RJbCh. stellte ihn an einem sehr heißen Tammustage vor die Sonne, und sagte: Schau doch in die Sonne! K.: Ich vermag es nicht! RJbCh.: Nun, die Sonne ist doch nur eine der unzähligen Dienerinnen Gottes, und du vermagst nicht sie zu sehen, um wieviel weniger kannst du hoffen, den Herrn selbst zu sehen? (6.Chulin 59B—60A.Midr. Abch., s. oben). Da haben wir wieder eine außerordentliche Parallele zwischen dem Agadisten und dem Apologeten. Theophilus sagt nämlich: Denn wenn der Mensch nicht einmal in die Sonne, einen so kleinen Himmelskörper, schauen kann, wegen der außerordentliehen Hitze und Kraft derselben, um wie viel weniger kann das Auge eines sterblichen Menschen die Herrlichkeit Gottes, die unaussprechlich ist, ertragen. (I. 5.) Die auffallende Uebereinstimmung zwischen dem rabbinischen Dialog und der Apologie kann entweder auf direkten Einfluß oder auf eine gemeinsame Quelle beider zurückgeführt werden. Hier, wie in dem früher erwähnten Falle, beim teleologischen Gottesbeweis nämlich, darf man wohl an die hellenistische Literatur denken. Der Gedanke ist auch bei Philo zu finden (vergl. De Abrah. p. 361, De sonm. I 577, Dähne, Gesch. Darstellung II p. 16, Freudenthal. Alex. Polyhistor p. 71, Z.W.Th.I p 134). Viel näher stehen natürlich dem Teophil die Sybillinischen Orakel (1. 9—14, vergl. Wieks, The Doctrine of God. p. 54), wo es heißt: Ein Mensch kann ihn nicht schauen, denn er kann nicht einmal in die Sonne blicken (vergl. noch Apok. des Abraham c. 16). Der Beweis erscheint auch in folgender Legende. Joseph bespricht dieses Problem mit seinem Herrn. Joseph sprach ein Gebet vor seiner Mahlzeit. Sein Herr beobachtete dies, und fragte: Was machst du denn? Joseph: Ich sage Dank meinem Gott für die Speise die Er allen seinen Geschöpfen gnädig spendet. Der Herr: Zeige mir doch deinen Gott! Joseph: Wahrlieh, die Sonne, die doch nur eins der unzähligen Geschöpfe Gottes ist, kannst du nicht schauen, um wieviel weniger Gott, den Herrn selbst! (Jelamdenus IV. ed. Grünhut p. 13B, Num. r. p. 152a). Der-

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