Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 167 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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167 ■BBBBHBBBBBaBB Erziehungsfragen als vielmehr die Erkenntnis der allgemeinen Abirrung vom jüdisehen Pfad. Nicht zuletzt weckte der Klang der neuen jüdischen Zeit, die zur Heimkehr in das Mutterland, nach Zion, ruft, in mir den Sinn für das Gebot der Neugestaltung. Es ist nicht über״ flüssig nochmals zu betonen, daß durch die Steigerung des jüdischen Wissensstoffes allein, also durch Vermehrung der jüdischen Stun־ den, während sonst alles beim Alten bleibt, nur wenig erreicht wird. Der Tadel trifft den quantitativen Mangel wohl, mehr aber noch das mangelnde jüdische Gepräge unserer Erziehung, das Fehlen eines einheitlichen rein jüdischen Charakters, der es nicht verschmäht,!fremde Kulturwerte einzubeziehen, sie aber unter die Herrschaft jüdischen Denkens stellt. Das, was man jüdischen Geist oder רוח של יהדות nennt, fehlt bei uns, weil wir teils auf die Kraft, die aus der jüdischen Vergangenheit quillt (aus Literatur und Ge״ schichte), teils auf die Möglichkeiten der Zukunft freiwillig verzichtet haben. Statt dessen haben wir Brandenburg als unsere Heimat und die Hohenzollern als unser Königshaus unsern Kindern hingestellt — wieviel näher wären wir am Ziel, wäre stets ארץ ישראל die Heimat und das davidische Königshaus die Dynastie uns geblieben. Solche Sünden wirken viel tiefer, als man meint; sie entfremden die Seele und führen auf diesem Umweg zur Verarmung des Geistes. Da unsere Ausführungen vorwiegend den allgemeinen Fragen des חנוך gelten und spezielle nur gelegentlich berührten, ist es am Platz, noch einen Augenblick bei dem Schlagwort des Individualismus zu verweilen, der ja dem Ideal der Erziehung zur Gemein-* Schaft nicht selten gegenübergestellt wird. Mit der Kennzeichnung als Schlagwort ist bereits der Wert solches Ausdrucks auf das riehtige Maß zurückgeführt. Wohlgemuth hat einmal in einem der Beiträge zum Thema ״Nationaljudentum, Zionismus und gesetzestreues Judentum“ bei der Analyse des Begriffes Judentum hervorgehoben, daß Individualismus, Nationalismus und Universalismus in unlösbarem Verein im Judentum vorhanden sind. So gilt auch für das Erziehungsproblem, daß jüdische Erziehungsweisheit weder lediglich zu einer bedeutenden Individualität, die sich von der Welt absondert, entwickeln, noch unter Vernachlässigung des