Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 165 (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2292999--04123-2297405- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
165 Erziehungsfragen schaftsideale, die Erkenntnis des Verpflichtetseins. Das jüdische Kind muß es früh wissen und es als Besitz seiner Seele tragen, daß es Gott und dem Volk gehört. Das Elternhaus hat andere Anpassung zu leisten; es muß — vom Abstreifen des Standesdünkels ist nun genug gesprochen — mehr geistigen Opferwillen zeigen. Es darf nicht in Gespräch und Handlung dem zuwiderhandeln, was das Kind als Pflicht verkünden hört Es muß geistigen Aufgaben willfähriger sein, darf nicht Bücherschränke jahrelang verschlossen stehen lassen und nur glänzende Einbände staunenden Besuchern protzenhaft zeigen. Nie den Gönner spielen, sondern sich glücklich fühlen, Armen helfen und Gelehrten dienen zu können; mit den Kindern und ihrer Befähigung gleichsam eine zweite Entwicklung durchmachen; erkennen, wo Aufgaben von Haus und Schule sich schneiden und berühren. So ganz allgemein läßt sich ja nur das sagen, daß die Schule ent־ sprechend dem lehrhafter Charakter mehr die Theorie des Lebens und der Lebenspflichten gibt und mehr das Große, Heroische, der Gesamtheit zugewandte betont, während das Haus die Einübung der kleinerscheinenden, aber grundlegendenGebote der Ethik und jüdischen Lebensführung, die Praxis des jüdischen Lebens vermittelt. Aber ganz so einfach liegen die Dinge nicht, weil auch in der Schule genügend praktische Fragen auftauchen z. B. in dem Verhältnis zu den Mitschülern und auch das Haus nicht aller theoretischen Belehrung bar ist; darüber hinaus aber muß auf die für das jüdische Gebiet kennzeichnende Tatsache hingewiesen werden, daß die Theorie also vorwiegend das Studium der jüdischen Lehre ja selbst Gegenstand der Praxis ist Vieles läßt sich bessern, wenn wir uns nur frei zu machen wissen von den Eigenschaften, die wir von den! Deutschen über־ nommen haben: der Starrheit der Schule, die viel zu sehr als ״ruhende Vollendung“ oder ein ״noli me tangere“ betrachtet wird, und dem ,.,Bourgeois-Charakter“ der Menschen. Dann sind die künstlich errichteten Schranken gefallen, die eine so unnatürliche Trennung und Ferne bewirkt haben, und es finden sich wieder Leh-