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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 164

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 164 (sequence 55)
Language
German
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Erziehungsfragen 164 nicht werden. Nun ersteht das allgemeine Problem: Wie können Schule und Haus sich aneinander anpassen, damit alle Schüler — denn so muß das Problem doch gestellt werden — Vorteil davon haben? Darauf lautet die Antwort zunächst in negativer Form: die Ausschaltung aller gesellschaftlichen Rücksichten, die die Schüler wieder in Gruppen sprengen oder die Harmonie zwischen der Schule und irgend einer Schicht — nämlich der, welche nicht berücksichtigt wird — stören würde. Damit ist das meiste getan, die Beseitigung des am stärksten hemmenden Faktors. Positiv wird die Frage gelöst dadurch, daß die wirklichen Eigenschaften und Werte, die der Seele des Kindes eignen, als einzige Maßstäbe anerkannt werden. Praktisch bedeutet das die Einreihung des Kindes in diejenige Schule, die seinem Intellekt angepaßt ist; ich denke übrigens auch an die Einrichtung von Schulen, die moralisch Minderwertige aufnehmen und sie zu heben versuchen. Ich halte es für eine sehr wichtige Aufgabe, dieser Seite des Erziehungswesens mehr Aufmerksamkeit zuzuwenden, insbesondere für solche Hilfs- und Besserungsschulen Gelehrte zu gewinnen, die diese Anstalten über das dilettantische Tappen emporheben und das Wissenschaftliehe Material verwerten als Beitrag zur Volkspsychologie, ־psycho- Pathologie und -erziehung. Im ganzen aber soll die Schule mehr als bisher bestrebt sein, Menschen zu bilden. Darüber ist viel gesagt worden2). Aber es muß auch hier betont werden, zumal wir von anderen Ueberlegungen herkommen. Die Schule kann durch die Gewinnung der kindliehen Herzen auch der Eltern Sinn für die jüdische Schule wieder wecken, wenn diese erkennen, daß Kinder dort veredelt werden, können sie sich gewiß nicht ganz dem Wert der Schule verschließen. Ich will vor allem hervorheben, daß es mehr als bisher der Schule Aufgabe ist, latente Anlagen der Schüler zu wecken, Möglichkeiten zu entwickeln, die nicht an der Oberfläche liegen, ganz besonders aber zur Entfaltung bringen, was in kein Fach als Lehrstoff zu pressen ist, aber alle durchziehen muß: die Gemein- 2) Ich verweise z. B. auf F.W. Försters Buch, das ich ira ״Sexualproblem“ Jeschurun 1920, I—2, erwähnt habe.

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