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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 161

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 161 (sequence 52)
Language
German
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161 Erzi eh ungsf ragen teressenausgleich ist doch wohl im Leben der Gemeinschaft das eigentliche Problem. Wenn man aber selbst der Schule nicht die weitgehenden Rechte zubilligen will, von denen wir eben a ndeutungsweise sprachen, so wird schon dadurch ein Zusammenstoß mit den Reichen zustande kommen, daß jedem Begabten der Aufstieg ermöglicht werden soll, und damit die höhere Schule zu einem sozial sehr bunten Institut wird. Gerade das fürchten ja die Plutokraten. Sie lieben Exklusivität. Sie sind gern nur unter ihresgleichen. Es ist unglaublich, wie Kapitalisten die soziale Frage und das Problem des Sozalismus betrachten. In einem Badeort hatte ich in Gesprächen mit Kapitalisten Gelegenheit zu erkennen, daß man in allen Bestrebungen der Arbeiterschaft und des Proletariats nur die Machtgelüste und die Begehrlichkeit der faulen Menge erblickt, die nach den Gütern der Reichen schielt. Wir halten die Zeit für zu kostbar, um uns mit solch kleinlicher Auffassung auseinanderzusetzen. Nur das wollen wir ihr gegenüber bekunden, ohne als Parteigänger des Sozialismus oder verwandter Bestrebungen erscheinen zu wollen: die Geldaristokratie mag sich, wenn sie nicht gutwillig soziale Gerechtigkeit zu üben gewillt ist, auf einen harten Kampf gefaßt machen, in dem auf seiten ihrer Gegner auch andere als Proletarier stehen werden. Die Sünde des begüterten jüdischen Bürgertums ist also mannigfach: es sündigt zunächst gegen den Geist jüdischer Solidarität. Daß jüdische Eltern das Erziehungswerk des jüdischen Volkes so sabotieren konnten, das ist eine Gefährdung der Einheit im Judentum. Ja, es zerstört sogar die Harmonie innerhalb einer durch bestimmte Ideale fest geeinigten Gruppe, wenn auch in ihr eine soziale Staffelung vorgenommen wird. Und das geschieht tatsächlich. Es leidet darunter aber auch die jüdische Schule: materiell, weil ihr mit den Schülern auch die Mittel entzogen werden! — denn allmählich hört auch das Gönnertum auf, besonders in späteren, den Schulen fremden Generationen; was mir besonders bedauerlich erscheint, ist die Unmöglichkeit des weiteren Ausbaus der jüdischen Schule bei uns. Warum haben wir noch keine Gymnasien in Hamburg und Frankfurt? Auch daran tragen die die

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