Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 159 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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159 Erziehungsfragen schnür, die der römischen Heide in den Worten ausgesprochen: ״Ich hasse das gemeine Volk und meide es,“ wenn auch mehr im ständischen als geistigen Sinn. Und so unterlassen es viele, ihre Kinder jüdischen Schulen anzuvertrauen. Oft wird der Hinweis auf das Proletariat, das dort aufzufinden sei. noch unterstützt durch die Behauptung, daß die Lehrkräfte der jüdischen Schulen nicht auf der Höhe seien. Nun sprechen zwar die Erfolge der jüdischen Schulen, deren Schüler später auf Gymnasien oft außerordentlich gut vorwärts kommen, einigermaßen gegen diese Behauptung. Aber ich will sie doch nicht ganz verwerfen; tatsächlich soll diese oder jene jüdische Realschule in den letzten Jahren etwas zurück gegangen sein. Aber indem ich diesen Vorwurf für etwas berechtigt halte, klage ich alle umsomehr an, die durch das Fernbleiben ihrer Kinder die jüdische Schule ideell und materiell geschädigt haben. Wenn heute viele das Fehlen der begüterten Kinder in den jüdlsehen Schulen mit deren Verschlechterung motivieren wollen, $0 wollen sie nicht den circulus vitiosus erkennen, den die Reichen geschaffen haben. Wenn ich die Frage des Streites der religiösen Ueberzeugungen ausschalte und die Frage übergehe, inwieweit die verschiedenen Richtungen Schulen gründen werden, so gilt hinsichtlich der jüdischen Schule für Palästina und die Diaspora gleichermaßen die allgemeine Forderung, die alle sozial gerecht Denkenden lösen müssen: es darf keine Rücksichtnahme auf die soziale Abstufung der Familien geben. Die jüdische Schule ist aufgebaut auf dem Prinzip der völligen Gleichheit aller Juden. Nur die Intelligenz und die Moral der Kinder bewirken eine Differenzierung des Er- Ziehungssystems. Das würde zu folgendem offiziellen Schulsystem führen: ein gemeinsamer Unterbau, also Vorschule, darauf aufgebaut ein mehrgliedriger Bau, der der verschiedenen Begabung der Kinder entspricht. Ich denke mir, daß nach drei Jahren gemeinsanier Schulzeit in vielen Fällen ein einigermaßen begründetes Urteil seitens der Lehrer geäußert werden kann. Als wertvolles Ergänzungsmittel für diese Beurteilung weise ich auf die Intelligenz- Prüfungen hin, die Binet, Simon und nach ihnen andere ausgebaut haben. Dabei wird sich das Wesen der individuellen Begabung