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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 158

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 158 (sequence 49)
Language
German
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Erziehungsfragen 158 erwachsen, Parias, die früher oder später zur Rache schreiten. Schaut auf Europas blutgetränkte Fluren, auf Rußland und auch auf unser Land, wo die Rache der Unterdrückten einhergeht. Haitet klug vom jüdischen Volk dieses Trauerspiel fern! Das Qrundübel ist die fixe Idee von dem ״standesgemäßen“ Leben und der ״ standesgemäßen Erziehung“. Wie ich diese Worte hasse! Nur sie konnte im Verein mit der Assimilation, die aber von diesem gesellschaftlichen Ehrgeiz nicht ganz zu trennen ist, zu einer solchen Entfremdung der Teile unseres Volkes führen, die bei vielen den Zweifel an seiner Existenz wachruft und zuläßt. Aber auch rein menschlich ist jene Idee ein Unding; sie führt dahin, ein äußerliches, minderwertiges Merkmal, wie eine bestimmte Geldessumme oder einen Beruf zum Kriterium der Zusammengeh ö r i g k e i t, und was viel schlimmer ist, die Verschieden־ heit des Besitzes und der sozialen Stellung zu einer Scheidewand zwischen Menschen und Menschengruppen zu machen. Es ist nicht ohne Interesse wahrzunehmen, wie Eugen Fuchs, der Führer der ,.deutschen“ Juden, die verhängnisvolle Meinung äußern konnte: der christliche Rechtsanwalt stehe ihm ceteris paribus näher als der jüdische Kaufmann und Handwerker und der deutsche Christ näher als der englische und französische Jude. Eine solche Ungeheuerlichkeit konnte nur auf dem Boden der ״standesgemäßen“ Gesinnung entstehen. Interessant aber ist, daß der Führer, der freilich Jüdischem näher stehen soll als seine Gefolgschaft, gerade auch dieser unjüdischen Auffassung einen in ihrer Art klassischen Ausdruck verlieh. Um nicht meinerseits als Fanatiker zu erscheinen, will ich zugeben, daß der gleiche Beruf wohl einen starken Kitt bildet; aber nimmer darf er zu einer solch scharfen Formulierung führen, die die enge Verkettung mit den Brüdern zerreißt Gilt denn die Gemeinsamkeit der Leiden und Freuden, der Erwartungen und Ueberzeugungen so wenig? Die Furcht, daß die Kinder in der jüdischen Schule, die ja allüberall auch ein Haus der Armen ist, in einem sozial anders gearteten Milieu sein werden, beherrscht viele ״gute“ Eltern. Weniger die Furcht vor ein wenig mangelnder Sauberkeit als die Rieht-

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