Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 149 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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149 Die Mischnah wir hier für die zwei einander ausschließenden Fragen: Einen Gesichtspunkt gibt es für die Welt des Menschen, als Grundlage seiner Taten und einen anderen für die Welt der Wahrheit. Der Widerspruch ist nicht gelöst, aber aufgegangen in der Tiefe der Begriffe. Einzelne der großen Denker unserer Zeit sind zu einer ähnlichen Lösung der Probleme gelangt. Wir können natürlich trotzdem nicht wissen, ob es ein vollständig geordnetes System bei den Aggadisten, den Trägern dieser Fragen, gab, aber eine geistige Einheit liegt in all ihren Sprüchen, und einen Grundriß ihrer Weltanschauung können wir sehr wohl zeichnen. Mit dem Wesen und den Eigenschaften der Göttlichkeit beschäftigte sich das nichtmystische Judentum nicht viel, ״wer die Ehre seines Schöpfers nicht schont, dem wäre besser, er wäre nicht geboren.“37) ״Den erhabensten Namen“ Gottes (שם המפורש) benutzte man nicht und sprach ihn nicht aus,38) abgesehen vom hohen Priester — zur Zeit des Tempels — am Jom Kippur und den Priestern beim täglichen Segen, und auch diese ״ließen ihn im Gesang ihrer Mitpriester verklingen“.8״) Sogar den Namen ״Herr“ א ד נ׳ benutzte man nicht, er galt für zu heilig, sondern statt dessen gebrauchte man Ausdrücke wie המקום׳ הקב״ה׳ רבון So sehr sich auch die Mischnah mit den Vorschriften für das gewöhnliche Leben des jüdischen Volkes abgab, so umspannte ihre Betrachtung doch die ganze Welt, ihr Horizont war weit und ihre Ansichten durchgearbeitet und klar und bei aller Größe doch gemeinverständlich. ״Lieb ist Gott der Mensch, denn in seinem Ebenbild hat er ihn erschaffen“.40) ״Wenn der Mensch leidet, was spricht dann die göttliche Majestät? Mein Haupt schmerzt mich“.41) ״Adam ist als Einzelner erschaffen, damit kein Mensch zum anderen sagen kann: mein Vater ist größer als der Deine.“42) ״Wo Du nur eine menschliche Fußspur findest da bin auch ich, spricht der Herr“.48) ״Jeder Mensch ohne Ausnahme ist verpflichtet, anzuerkennen, daß auch um seinetwillen die Welt erschaffen ist.“44) 37) Chagigah 11b 38) Ssanhedrin XII 39) Kidduschin 71a 40J Aboth III 14 41) Ssanhedrin 46 a 42) Ssanhedrin IV 5 43) D’barim Rabba 1116 44J Ssanhedrin IV 5