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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 148

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 148 (sequence 39)
Language
German
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Die Mischnah 148 doch in unserer Mischnah keinerlei Mysterien.35) Die Mischnah bemüht sich, sich von mystischen Spekulationen fernzuhalten: ״Wer sich mit Betrachtungen abgibt über das, was über und unter, vor und hinter der Welt ist, dem wäre besser, er wäre nie geboren.“30) Der Geist der Mischnah ist der Geist des Judentums in seiner Reinheit. Anscheinend hütete sich die Mischnah mit aller Kraft vor der Berührung mit jedem im Volk vorhandenen Aberglauben. Kaum erwähnt werden in der Mischnah ״böse Geister“ und ״das Auge des Bösen“, und mit vielen Vorschriften sperrte man Israel von den ״emoritischen Sitten“ דרכי אמורי ab. — Dies sind wohl die abergläubischen Bräuche, die sich aus der Zeit der Urbevölkerung her erhalten hatten. — Alle Gegenstände der Weltanschauung gehören zur Aggadah: die Aggadah nimmt ja in der Mischnah keinen großen Raum ein. Die wenigen verstreuten Sätze aber, die ihr angehören, enthalten ganze Gedankensysteme, so daß man aus ihnen die Grundlinien einer Weltanschauung aus Mischnahzeiten entnehmen kann. Aus den verstreuten Sprüchen in der Mischnah ersehen wir, daß die Tannaiten sich mit Weitanchauungsproblemen beschäftigten und daß sie die Probleme mit vollem Verständnis und Bewußtsein und unter Anwendung bestimmter technischer Ausdrücke formulierten. Als Beispiel sei der Spruch Rabbi Akibas gebracht (Aboth III, 15)*. ״Alles ist vorausgesehen“, ist dem allwissenden Gotte bekannt, trotzdem aber ist dem Menscher! ״Willens-Freiheit“ gegeben. Hier ist das Problem von göttlicher Allwissenheit gegenüber menschlicher Willensfreiheit formuliert, das später sämtlichen jüdischen Philosophen zu schaffen machte. ״In Güte wird die Welt gerichtet.“ Gott ist ein Gott der Liebe, und die Liebe baut seine Welt auf, trotzdem aber ״fällt die Entscheidung auf Grund der Tat“ des Menschen. Hier haben wir das Problem der Attribute der Strenge und der Liebe, das die Zeit besonders beschäftigte. V/ir merken hier die volle Erkenntnis der ganzen Tiefe der Fragen, die in all ihrer problematischen Schärfe gestellt sind und auch eine Andeutung des Wegs zu ihrer Lösung. Eine bejahende Antwort haben 35) Vgl. aber z. B. B’reschith 3. Anf. 36) Chagigah 11b

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