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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 145 (sequence 36)
Language
German
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145 Die Mischnah Für den Geist der Gelehrten gab es keine Scheidung der Gebiete. Stets lernte man ein Fach wie das andere, hatten doch alle Fächer in der Thora ihren Ursprung. Im Gebiet des Rechts treffen wir außer den Sätzen über Freisprechung und Verurteilung, über Geld- und Leibesstrafen auch religiöse und moralische Sätze. Zuweilen ist ״auch, wer vor den Menschen frei ist, vor Gott schuldig“,29/30). Rückerstattung genügt nicht zur Vergebung vor Gott, der Geschädigte muß um Verzeihung gebeten werden. Wer sein — rechtlich nicht verpflichtendes — Wort hält, handelt im Sinne der Weisen, und wer es nicht hält, den wird ״der bestrafen, der das Geschlecht der Sintflut und des Turmbaus bestraft hat.“31) Das Volk wurde so erzogen, sittliche Pflichten zwischen Mensch und Mensch zu erfüllen, und auch das Vermögensrecht trägt als Teil der Thora religiöses Gepräge. Wie in keiner Wissenschaft, so gab es auch in der Halachah keine Unterschiede zwischen großen und kleinen Dingen. Wichtige Regeln der Thora wurden mit der gleichen Liebe behandelt, wie einzelne Rechtstreitigkeiten. Wissenschaft enthält eben keine minderwertigen Elemente. Wie der Baumeister jeden Stein prüft, bevor er ihn in den Bau fügt, so darf auch die Wissenschaft nicht die geringste Einzelheit vernachlässigen, da in jedler Einzelheit die Idee des ganzen zum Ausdruck kommen soll. Durch die Halachah ist das Leben Israels so geordnet, wie es durch die Thora ״eingezäunt“ ist. Die Halachah umfaßt das ganze Leben, steigt in seine tiefsten Tiefen. Der Tannaiten1 Streben ist es, wahres unverfälschtes Recht zu sprechen und nach objektiver Wahrheit zu richten, denn sie diskutieren über die Lehre des lebendigen Gottes einerseits, über das Leben von Fleisch und Blut andererseits. Sie kennen die Verantwortung, die auf den Schultern des Richters ruht, und warnen: ״Nicht darf ein Einzelner Richter sein“, ״Du darfst nicht sagen: Ihr habt meiner Ansicht zu folgen,“32) ״und jeder Richter, der nur ein einziges Mal einen wahren Rechts- Spruch getan, hilft, daß die göttliche Majestät über Israel ruht, und ist Mitarbeiter am Werke der Schöpfung.“33) 29/30) Baba Kama 91 a u ö 32) Aboth IV 8 31) Baba Mezia 47 b 33) Ssanhedrin 4 a

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