Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 143 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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143 Die Mischnah des Talmuds wiederholt, ohne Darstellung -der Erörterung, aus der die Halachah im Lehrhaus entstanden war. Am Schluß der Debatten und Erörterungen im Senat wurden die Ergebnisse in Form einer Mischnah wiederholt, als klare Halachah, ohne Erwähnung der verschiedentlichen Zweifel und Begründungen, die zur Entstehung beigetragen hatten. Die charakteristische Form der Mischnah von den Tagen der Alten bis auf die Tage der Letzten ist die Wiedernolung der Ergebnisse des Talmuds. Dadurch unterscheidet sich also die tannaitische Lehrweise von der der Amoräer, daß letztere auch alle Debatten in vollem Umfang zusammenstellten. Der ״Talmud“, d. h. die Debatten und Diskussionen, blieb in tannaitischer Zeit Gebiet der freien Forschung, und der Darstellung des Lehrers blieb seine Weitergabe an die Zukunft Vorbehalten. Die Mischnah ist Halachah und nicht Midrasch. — Schon in der Urmischnah wurden die Halachoth ohne Begründung aus der Schrift vorgetragen, und auch später wurden sie ohne Anhängung an Schriftverse gelehrt. Auch diese Regel hat Ausnahmen, sowohl in den Resten der Mischnah der Ssof rim, wie bei tannaitisehen Kontroversen über neue Fälle, deren Entscheidung man durch Deutung der Schriftverse gewann. Des Aufsehens wegen, das diese Entscheidungen erregten, wurden sie mit ihrer Begründung vorgetragen, um ja nicht den Verdacht zu erwecken, als ob man die Quelle der Halachah verbergen wolle, oder um ein dunkles Wort zu kommentieren, aus dessen Erklärung die Halachah ganz zu folgern war. Doch die Midraschim d:er späteren Gelehrten, die nur eine Anlehnung und Stütze der Halachoth der Mischnah ergeben sollten, wurden überhaupt nicht in die Mischnah eingefügt. Der Midrasch der Späteren fällt unter den Begriff des Talmuds und dient eigentlich zur Veranschaulichung der Halachah, zur Kornmentierung ihres Systems und zu ihrer Fundierung, er gehört nicht in die Mischnah, wenn anders ihr Charakter als vom Midrasch unabhängige Halachah gewahrt werden soll. Aus der Mischnah allein Entscheidungen zu fällen, ist unmöglieh, man muß ihren Talmud hinzuziehen, d. h. eindringende Untersuchung und Veranschaulichung ihrer Begründungen und Grundlagen. Wie bereits erwähnt, wurden Tradenten, die aus der bloßen