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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 142

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 142 (sequence 33)
Language
German
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Die Mischnah 142 verstehen wir es, die Spuren der Schritte der Geschichte zu lesen, doch geborgen liegt hier die ganze Entwicklung. Die Entwicklung der Mischnah zeichnete sich von Anfang an dadurch aus, daß das Verhältnis der Gelehrten zu ihr ein objeKtives war, d. h. tradiert wurde die überlieferte Mischnah, das Werk anderer; das erklärte man, danach entschied man; der Erklärung־ der Ueberlieferung wurde die ganze Kraft geweiht. Schon zur Zeit der Zusammenstellung der Urmischnah war das Verhältnis zur mündlichen Lehre ein objektives in diesem Sinne. Halachot und Ueberlieferungen wurden so zusammengestellt. wie sie überliefert waren. Bei dieser ersten Zusammenstellung, wie zu Beginn der Zeit der Ssofrim stand den Gelehrten die Wahl der Form noch frei, aber keinesfalls .die Wahl des Inhalts. Niemals fühlten sie sich als Gesetzgeber und Rechtsreformer, stets standen sie dem überlieferten Recht und der ererbten Mischnah objektiv gegenüber, was für das Wesen der Entwicklung bestimmend war. Ergebnis einer langen Entwicklung ist die Mischnah doch ein Ganzes, ein Geist hat sie geprägt. Wer sie irgendwo öffnet, erkennt sofort ihr markantes, leuchtendes Antlitz, in jedem Satz offenbaren sich all ihre besonderen Charakterzüge: ihr reiner klarer Geist, ihre imposante Ruhe, ihre Majestät. Die Mischnah ist Halachah — das ist ihr allgemeinstes Wesen. Wie Stein an Stein im Bau, so ordnet sich Halachah an Halachah, wobei gewisse Mischnahjoth die Hauptstützen des Baues bilden. Das sind die Leitsätze, die die Mischnah festgelegt hat, und alte Mischnahjoth, in denen ganze Gebiete der Halachah enthalten sind. Wenn aber die Mischnah auch Halachah ist, so ist sie doch kein Gesetzbuch, aus dem allein man Rechtskenntnis gewinnen könnte. Jeder Mischnahsatz ist aus dem Lehrgebäude und der Diskussion (dem ״Talmud“, vergl. unten) geboren, und nur im Rahmen des Lehrgebäudes kann er zur Entscheidung dienen. Die Mischnah ist Halachah und nicht Talmud. — Schon in tannaitischer Zeit war die Hauptbeschäftigung im Lehrhaus nicht mehr die Mischnah, sondern bereits der Talmud zur Mischnah, die halachische Diskussion, aus der die Mischnah hervorgegangen war. In der Mischnah wurden nur die Ergebnisse

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