Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 141 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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141 Die Mischnah Im Laufe der langen, vielfach verzweigten Entwicklung erfolgte natürlich stets eine Auslese unter den Varianten und Meinungen. In der Geschichte der Ideen geht es ebenso zu wie in der der Völker: auch wo es einen Krieg der Meinungen und einen Kampf der Ideen gibt, gibt es Sieger und Besiegte. Das Ende des langwierigen Gegensatzes zwischen den Schulen Schammais und Hilleis war die Verdrängung der Schammaitischen Mischnah gewesen; infolge des Gegensatzes der Systeme hatte sich Rabbi Elieser aus dem Lehrhaus zurückgezogen. In der halachischen Differenz zwischen Rabbi Akiba und Rabbi Jischmael siegte die Schule Rabbi Akibas, die Mischnah wurde von den Schülern seiner Schüler abgechlossen, und die Schüler des Rabbi Jischmaelschen Lehrhauses konnten im Senat nicht festen Fuß fassen, (denn die meisten kehrten nach dem Bar Kochba-Krieg aus dem Ausland nicht zurück). — Trotzdem wird Rabbi Jischmael stets in der Mischnah zitiert; der Hader mit dem Patriarchat war die Ursache dafür, daß die Schüler Rabbi Meirs, des Vaters der Mischnah, aus dem Senat ausschieden. Der Weg der Entwicklung brachte es mit sich, daß die Halachah zumeist — wenn nicht der Senat im Einzelfall anders entschied — dem Tannaiten folgte, der der Sieger in System und Mischnah geblieben war. Der Text des Senats erhielt stets besondere Bedeutung, er war der wichtigste Faktor bei der Vereinheitlichung der Varianten. 2. Charakteristik der Methode. Der bezeichnendste Zug der Mischnah ist eine Folge ihrer Geschichte. In ihrem ganzen Verlauf bildete sich die Mischnah im Wege der Entwicklung und des gemeinschaftlichen Lernens, und das bedingte ihren Charakter. Alles geistige Wachstum reichte in sie hinein, alle Strömungen, die das Beth Hamidrasch berührt hatten, hinterließen in ihr ihre Spuren. Die Mischnah ist aber nicht allein eine Frucht der Ent׳־ Wicklung, sie ist auch ein gedrängter Auszug aus ihr. Alle Fäden der geistigen Gewebe laufen in ihr zusammen. An ihr selbst läßt sich ihre ganze Entwicklungsgeschichte veranschaulichen und sogar die Geschichte der vorangehenden Zeit; alle Generationen vreten uns leibhaftig und redend in ihr vor Augen. Nicht immer