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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 135

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 135 (sequence 26)
Language
German
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135 Die Mischnah gewaltige Persönlichkeit auf seine Zeitgenossen, daß der Ausspruch entstehen konnte: ״Zwischen Moses und Rabbi ist Wissen und Macht nie so vereint gewesen.“10) Als Patriarchensohn hatte sein ganzes Leben etwas aristokratisches, seiner Umgebung flößte er Achtung ein, und das Ansehen des Patriarchats wußte er zu wahren; dennoch gab es gegen seine Regierung keinen Hader, denn er verstand es, milde mit den Menschen umzugehen, bediente sich der Allgemeinheit nicht zu eigenem Vorteil und ״verschaffte nicht einmal seinem kleinen Finger Nutzen auf Kosten der Welt/‘20) In Jahren der Mißernte öffnete er seine Speicher zur Unterstützung der Gelehrten. Seine ungewöhnliche Frömmigkeit suchte ihresgleichen. Die Eigenart seines Talents lind seines Studiums befähigte ihn von Jugend auf zur Sammlung der Lehre der Geschlechter. Bei auserlesenen Tradenten hatte er Mischnah gelernt und den ganzen Stoff aufgenommen, der in den Lehrhäusern zu finden war. Bei allen Schülern Rabbi Akibas hatte er gelernt, wie er nur hätte bei Rabbi Akiba selbst lernen können. Von Lehrhaus zu Lehrhaus war er gezogen, hatte aus den tiefsten Quellen geschöpft und bei allen Alten zugelernt. Die hebräische Sprache liebte er sehr, wachte über ihrer Reinheit und verargte den Gelehrten das Aramäisch-Reden: ״Was soll die syrische Sprache im Lande Israels?“2°a) Aus den Gesprächen der Dienstboten seines Hauses konnte man die Bedeutung ungewohnlicher hebräischer Worte erfahren/' ) Rabbi Jehuda ha־Nas$i repräsentiert in seiner hohen prächtigen Figur den Typus des Tannaiten vor dem Abschluß der Mischnah. Während seines Patriarchats blühte das Thorastudium. Seine ״Regierung“ fiel in Friedenszeiten. Mancherlei Sagen erzählen von der Freundschaft zwischen ״Antoninus und Rabbi“.22) Der Kaiser wandte Israel und dem Nassi seine Huld zu, und die Wunden, die die Wirren der Verfolgung geschlagen hatten, begannen zu heilen. Die Zeit war reich an Gelehrten; da in der jüdischen Welt Friede herrschte, war die Stunde der geistigen Arbeit gewogen, und alle 19) Ssanhedrin 36 a 20) K’thuboth 104 a 20a) Ssota 49 b 21) Megillah 18a 22) Vergl. die Stellen bei Graetz, Bd. 4, Note 23

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