Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 127 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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127 Die Mischnah Entscheidungen wieder in ihre Traktate eingeordnet. Vielleicht enthielt Rabbi Akibas Mischnah noch mehr Material als die offiziehe., mehr Erklärungen, mehr Entscheidungen und mehr Privatmeinungen. Sein großes Dispositionstalent, das ihm half, die Thora ״wie ein Kette aus gleichen Gliedern“2) darzustellen und seine riesenstarke Persönlichkeit mußten die Geister unweigerlich an seine und seiner Mischnah Wege fesseln. Die meisten in der Mischnah enthaltenen Kontroversen der Autoritäten dieses Geschlechts haben auch wieder die Sätze der Urmischnah oder Beth Schammais und Beth Hillels zum Gegenstand, und zwar die Definition der Mischnahworte oder die Riehtigstellung der Lesart. Bei Bezeugungen von bestimmten Versio־ nen wurde stets Wert darauf gelegt, neben dem Zeugnis der Mehrheit auch das des Einzelnen zu bringen, ״und warum erwähnt inan die Worte des Einzelnen neben dem der Mehrheit, obwohl doch die Entscheidung stets nach dem Spruch der Mehrheit gefällt wird? Damit ein späterer Gerichtshof sich auf die Ansicht des Einzelnen stützen kann, da ja sonst kein Gericht gegen ein anderes entscheiden darf, es überrage es dann an Weisheit und Zahl.“3) Zuweilen wurden dann Worte aus der Diskussion im Senat in die Mischnah aufgenommen oder eine Lesart nach einem der Tradenten unter geringer Veränderung der bisherigen Version definitiv festgelegt. In diesen Sessionen zu Jabneh wurden anscheinend noch viele andere weittragende Fragen entschieden und beachtliche Verordnungen erlassen. Es scheint, daß die Gelehrten ihr Augenmerk darauf richteten, das Judentum vor der Zersplitterung in Sekten zu retten, denn diese, die damals in der ganzen Welt wie Pilze aus dem Boden schossen, bildeten eine Gefahr für die Reinheit der jüdischen Ideen. Vermutlich wurden in Jabne eine Anzahl Vorsichtsmaßregeln getroffen, die den Ausschluß der Sektierer aus der Gemeinschaft (vgl. die Ketzer-BTacha im I8־Gebet) und die Fernhaltung Israels von der pseudo-epigraphischen Literatur (ספרים חיצוגים), die die Ge- Geschlossenheit der israelitischen Weltanschauung bedrohte, herbeiführen sollten. 2) Aboth de R. Nathan XVIII 3) Edujoth 15—6