Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 125 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Die göttliche Gerechtigkeit der Aufgabe seines Knechtes. Kümmerlich freilich und eiend ist noch des Gottesknechtes Lage, auch dann, wenn er im Dienste seiner Aufgabe steht. ״Ich wähnte, vergeblich habe ich mich abgemüht, für nichts meine Kraft verbraucht. Meinen Rücken mußt ich denen bieten, die mich schlugen, meine Wange denen, die den Bart mir rauften, mein Antlitz wußte ich nicht zu bergen vor Schmach und Gespei.M Doch das Bewußtsein für Gott und die Heilignng seines Namens zu dulden, hebt den Gottesknecht empor über alles Leid, sichert ihm seine Unüberwindlichkeit. Ja, die Leiden sind recht eigentlich der bedeutsamste Teil seiner Aufgabe. Je tiefer Israel der Gottesknecht erniedrigt wurde, desto leuchtender hebt sich von dem dunklen Grunde seine wunderbare Errettung und Erhöhung ab, desto deutlicher zeigt sich in seinem Geschick der Finger Gottes, desto eindringlicher erweist sich seine Lehre als die wahre, sein Gott als der einzige. Aber noch viel tiefer ist die Bedeutung der Leiden Israels, des Gottesknechtes, zu fassen. Was wir auf Grund des Buches Hiob oben als die Bedeutung der Leiden des einzelnen erkannt, das gilt nun von Israel im Völkerleben der Menschheit. Gehaßt und verfolgt, gemieden und verachtet pilgert Israel durch die Reihen der Völker ohne Rast und ohne Ruhe. Es nennt sich das auserwählte Volk, aber auserwählt scheint es zum Leiden. Hat es denn in Wahrheit mehr gesündigt, als die Völker seiner Umgebung? Hat es denn solche Schuld auf sich geladen, daß es nimmer gelangen kann zu seinem Erbe, zu seiner Ruhe? Nimmermehr! Hingestellt ist es zum Wahrzeichen den Völkern, zum leuchtenden Beispiel: Sehet da ein Volk, über das alle Stürme des Verderbens hereinbrachen, lebend im Dienste des Gesetzes, das ihm sein Gott gegeben, treu seinem Ideale, das ihm der irdischen Freuden wenige beschert, das ihn zum Fremdling stempelt -unter den Völkern. Und sein Gott hatte ihm doch verheißen: Wenn du auf die Stimme des Ewigen Deines Gottes hören wirst, dann wird Dich der Ewige, Dein Gott, zur höchsten aller Nationen machen. Gesegnet bist Du, wenn Du heimkommst, gesegnet wenn Du ausziehst. — Sehet da ein Volk, dem solche Verheißungen verkündet und solche Erfüllung geworden! Und dennoch wankt und weicht es