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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 124

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 124 (sequence 15)
Language
German
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Die göttliche Gerechtigkeit 124 det, daß nur zahlreiche Fälle des Gegenteils genug vorhanden sind, um dem Menschen die freie Wahl offen zu halten. Und wie könnte der Schlußsatz der biblischen Erörterung des Problems der göttliehen Gerechtigkeit anders lauten, als daß in Wahrheit Gott den Gerechten belohnt und den Sünder straft? Ist dieser Gedanke doch Luft und Leben der biblischen Welt! Ist er doch das alles beherrsehende Prinzip im Wirken der Propheten! Das assyrische Weitreich zieht gegen das winzige Juda heran, aber siehe, der Herr entblättert die Krone mit Schreckensgewalt, daß die Hochragenden gefällt und die Stolzen erniedrigt werden. Gerade weil im Mittel- Punkt biblischen Denkens das Walten Gottes, des Allgerechten nach dem Vergeltungsprinzip steht, darum werden die Abweichungen so schmerzlich empfunden, darum wird das Problem so häufig erörtert. Das Problem der göttlichen Gerechtigkeit in der Bibel hat noch ׳eine andere Behandlung erfahren. In unseren bisherigen Erörterungen besprachen wir nur, wie in der Bibel dies Problem für den einzelnen sich darstellt. Aber auch die Gesamtheit Israels wird als Individuum erfaßt und als solches erhebt sich auch für Gesamt- Israel das Problem: Warum leidet der Gerechte? Wohl ist die Bibel erfüllt von Anklagen gegen Israel. Die Propheten wissen nicht genug von seinen Vergehungen zu berichten; aber, nicht minder macht sich das Bewußtsein geltend, daß Israel nicht den Vergleich mit anderen Völkern zu scheuen hat, ja daß es ihnen gegenüber das gerechte ist: Warum das ununterbrochene, das ganz besondere Leid, das schon damals als ein besonderes empfunden und prophetischen Geistes für die Jahrtausende als solches erkannt wurde? Die Antwort darauf hat uns Jesaja in der Darstellung des עבד ׳דדdes Knechtes Gottes gegeben: Gott hat Israel zu seinem Knechte erwählt: Siehe, mein Knecht, den ich aufrecht halte, mein Erwählter, an dem ich Gefallen gefunden: Mein Knecht bist du, Israel, an dem ich mich verherrlichen will. — Was einst die Propheten in Israel gewesen, das sollst du unter den Völkern sein. Und der Erfolg kann nicht ausbleiben. Setzt doch Gott seine Kraft und seine Ehre ein für die Ausführung

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