Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 121 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Die göttliche Gerechtigkeit wissenlose sich des Glückes erfreut, nicht so zahlreich sind, wie es bei der Fragestellung immer vorausgesetzt wird. Das eine Moment ist das in den erwähnten Stellen angedeutete. Das Glück der brutalen Unterdrücker, der reichen Spekulanten, der bedenkenfreien Geschäftsleute, der schlauen Streber, der Skrupellosen Stellenjäger ist gar nicht das rechte Glück. Sie werden nie ihres Lebens froh, ihr Sinnen und Trachten geht auf in der wilden Jagd nach immer größeren Schätzen, nach immer höheren Ehren. Und selbst die, die gesättigt sind, können nur groben Genüssen fröhnen, ihr Charakter und ihre Seelenbeschaffenheit schließt sie von jeder edlen Regung, jedem feinen Empfinden, das die Grundläge eines wahren Glückgefühles ist, aus. Demgegenüber steht der Aufrichtige und Edle, der reinen Herzens und frommen Gemütes seinen Idealen lebt. Wohl gerät er unendlich oft ins Hintertreffen, wohl sinkt er oft. wenn er über seine Geisteswelt die harte Wirklichkeit vergißt, immer tiefer ins Elend, wohl führt ihn seine Opferfreudigkeit in Armut und Krankheit. Und doch, wenn er auch in kümmerlichen Verhältnissen sich bewegt, welche Stunden reinen Seelenfriedens, erfüllt von hoher und erhabener Geistestätigkeit, durchlebt er, welche Welt des reinen Genusses steht ihm offen, welche Reihenfolge von hohen Lustgefühlen durchkostet er! Von dem einfachen und schlichten Ruhegefühl, das das Bewußtsein vollbrachter Pflichten gibt, bis zu dem höchsten überschwenglichen religiösen Gefühl, wenn er eine Stunde in trauter Zwiesprache mit seinem Gott verbringt. Wir müssen eben an die Erfahrung appel- Heren. Jedem werden aus seinem Bekanntenkreise zwei Typen vor Augen stehen, der eine roh, ungebildet, ohne feines Empfinden, aber reich, vom Glück begünstigt und von Einfluß. Und der andere arm, sich stümpernd, in seiner Familie heimgesucht, ein Pechvogel, aber mit reichem Wissen und von tiefem Gemüt. Und wer dann riehtig abwägt, einen grob sinnlichen Genuß nicht über einen intensiven geistigen Genuß stellt, wer für die Innigkeit eines vom edlen Geiste durchwehten häuslichen Lebens das richtige Verständnis hat, dem wird kein Zweifel sein, wer der Glücklichere ist. Das zweite Moment ist: Unsere Urteile über den Guten und Schlechten, über den Frommen und Frevler, über den Verbrecher