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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 120 (sequence 11)
Language
German
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Die göttliche Gerechtigkeit 120 darum schwillt den Menschenkindern der Mut, Böses zu tun. Weil ein Sünder hundertmal Böses tut und dabei alt wird; wenngleich ich weiß, daß es wohl gehen wird den Gottesfürchtigen, die sich vor ihm fürchten. Aber nicht Wohlergehen wird es dem Frevler, gleich dem Schatten wird er nicht lange leben, weil er sich nicht vor Gott fürchtet. Aber auch das andere ist nicht richtig, daß es dem Frommen schlimm ergeht. Psalm 37 wird nicht müde, immer und immer zu beteuern, daß der Gerechte über den Schlechten, der Fromme, Schlichte, Gottesfürchtige über den gewalttätigen Bösewicht triumphiert. Ueberaus bedeutsam spricht sich Ps. 73 aus! In Wirklichkeit ist das Leiden des Gerechten kein Leiden, denn es wird gar. nicht als Leiden empfunden: ״Ich weile stets bei Dir, du faßest mich mit Deiner Rechten; mir ist dir Nähe Gottes ein Glück! neben Dir verlange ich nichts auf Erden. In der Tat! Für den wahrhaft frommen Menschen von tiefer und echter Religiosität verschwindet jedes Leid bei dem Bewußtsein, daß ihm das Glück zuteil gewor־ den, in und mit seinem Gotte zu leben. Wie oft hört man von frommen Duldern das Wort: Und doch tausche ich nicht mit jenem, der in Glück und Reichtum sich badet, und wenn er mir alle seine Schätze böte und wenn mir all der Segen zuteil werden sollte, ich möchte nicht sein Seelenleben führen! In Wahrheit! Was wiegen alle weltlichen Freuden, alle Genüsse, die die Erde zu bieten vermag, gegen die Wonne, die die Menschenbrust durchbebt, wenn sie himmelhoch aufjauchzt in ihrem Schöpfer! Wir wollen das, was in diesen Stellen angedeutet ist, näher er־ läutern und ergänzen. Die Behauptung freilich, daß die Voraus- Setzungen des Problems durchaus falsch sind, daß in Wirklichkeit der Gute immer hienieden seinen Lohn und der Böse seine Strafe empfängt, die widerspricht den offenkundigen Tatsachen. Und wenn sie aufgestellt wird, so geschieht dies nur als Ausdruck des hingebungsvollen, unerschütterlichen Glaubens an die göttliche All־ güte und Allgerechtigkeit. Wohl aber können wir eine Reihe von Momenten anführen, die das Problem abschwächen, wir können zeigen, daß die Fälle, in denen der Fromme leidet und der Ge-

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