Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 119 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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119 Die göttliche Gerechtigkeit lösbar ist. Und inbezug auf unser Problem hat Maimonides, der scharfsinnigste unserer jüdischen Religionsphilosophen, diese Lösung sich zu eigen gemacht. More Nebuchim III 15—23 behandelt unser Problem. Seine Erörterungen gipfeln in dem Nachweis, daß das Wissen Gottes nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ ein durchaus anderes ist als das des Menschen בי לא מחשבותי מחשבותיכם ׳דלא דרכיכם דרכי und daß daher, wenn wir gleich Gott den Gesamtverlauf aller Ereignisse mit einem Blick übersehen würden, wir die Notwendigkeit und Gerechtigkeit im Schicksal des Einzelnen erkennen würden. Freilich Hiob findet, wie wir sehen, keinen Trost in dieser Erkenntnis, ebensowenig wohl ein anderer, der sich in Schmerzen windet, wenn es bloß Erkenntnis bleibt. Kommt aber dazu das lebendige Gefühl, die glühende Ueberzeugung von der allumfassenden Liebe Gottes, wie sie in den Reden Gottes am Schlüsse des Buches geschildert wird, ist der nach einer Lösung Ringende durchdrungen von dem unerschütterlichen Glauben an die Unendlichkeit der göttlichen Liebe, dann wird ihn dies Empfinden über alle Zweifel hinwegheben: was Gott tut, ist wohlgetanI Soweit die bekannten Lösungen des Problems des Theodicee in der Bibel. Auf zwei Gedanken der Bibel, die meines Wissens noch nicht oder jedenfalls nicht genügend hervorgehoben sind, möchte ich jedoch die Aufmerksamkeit lenken. Beide geben keine Lösung. Aber sie geben mehr. Sie zeigen, daß die Voraussetzung, von denen die Fragestellung ausgeht, unrichtige sind, ja. daß die Fragestellung selbst — die Voraussetzungen zugegeben — widersinnig ist. Das erste: Die Voraussetzungen, von denen die Fragestellung ausgeht sind falsche. Es ist nicht wahr, daß es dem Schlechten auf die Dauer gut geht. Das ist die Antwort, wie sie im Ps. 73, 18 bis 20 gegeben wird. ״Ja auf schlüpfrigen Boden stellst du sie, stürzest sie in Trümmer. Wie sind sie im Nu zur Wüste gewor־ den, haben ein Ende genommen, sind durch Schrecknisse dahin! Gleich einem Traume nach dem Erwachen, so verschmähst du Herr, wenn du wach wirst, ihr Bild“. In ähnlicher Weise mehrfach in Hiob, vor allem in Ps. 49. Auch in Kohelet 8, 11—13: ״Weil der Spruch über das Tun der Bosheit nicht schnell vollzogen wird,