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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 118

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 118 (sequence 9)
Language
German
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Die göttliche Gerechtigkeit 118 der Theodicee hört in demselben Augenblick auf, ein solches zu sein, wo der Glaube an eine künftige Lösung aller Rätsel, an einen jenseitigen gerechten Ausgleich Platz greift, wie dies auf dem Boden der christlichen Unsterblichkeitshoffnung der Fall ist.“ Ich habe in meiner ״Unsterblichkeitslehie in der Bibel״ gezeigt, warum das Buch Hiob den Unsterblichkeitsglauben nicht zur Lösung des Problems verwertet. Hier sei nur darauf hingewiesen, daß der Hinweis auf das Jenseits als Mittel zur Lösung des Problems der Theodicee genau genommen nichts anderes ist als philosophisch ausgedrückt ein ״regressus der faulen Vernunft.“ Es erheben sich dann sofort eine Fülle von neuen Fragen. Muß der Gerechte leiden, um in Zukunft eines größeren Lohnes gewärtig zu sein? So maneher würde die obenerwähnte Antwort R. Jochanans geben. Entspricht es der Gerechtigkeit und der Liebe Gottes, wenn dem Bösen hienieden nur deshalb soviel Glücksgüter geschenkt werden, damit er im Jenseits desto schaurigeren Qualen verfällt. Geht es nicht sehr häufig auch den Frommen hier leidlich, ja ist dieser nicht gar oft mit allen Gaben Gottes gesegnet? Und ereilt den Frevler nicht häufig hienieden ein schreckliches Geschick? Der Talmud, die Rabbinen und die jüdischen Religionsphilosophen hegten die felsenfeste Ueberzeugung vom Jenseits und haben dieser Ueberzeugung beredten Ausdruck verliehen. Warum taucht das Problem immer wieder von neuem auf und will nicht zur Ruhe kommen? Weil eben mit dem Unsterblichkeitsglauben wohl ein Trost im Leid ge- Wonnen ist. nicht aber eine Antwort auf die letzten Fragen gegeben wird. Die dritte Lösung ist die. die in Hiob Kap. 28 ausgesprochen wird, und die wir oben erwähnen. Gewaltig ist der Mensch, aus den Tiefen der Erde, auf Stegen, die kein lebendes Wesen sonst zu beschreiten vermag, holt er die verborgenen Schätze ans Licht. Doch die Weisheit vermag er nicht zu ergründen. Gott allein kennt den Weg zu ihr, er, allein ihre Stätte! Wir bemerkten schon: Die Lösung, daß das Problem eben unlösbar sei, dürfe uns nicht als zu dürftig erscheinen. Wenn wir es genau nehmen, hat Kant in seiner ״Kritik der reinen Vernunft“ eigentlich nichts anderes getan, als zu zeigen versucht, daß das Problem der Erkenntnistheorie eben un-

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