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Jeschurun · 1920-03-01 · Heft 3-4 (März 1920) · p. Seite 117

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 3-4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 117 (sequence 8)
Language
German
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117 Die göttliche Gerechtigkeit so gefährlich für die Frömmigkeit bezeichnet, wie die Armut. Und die Geschichte unseres Volkes mit der ununterbrochenen Wiederholung des ׳ויעלמן ישורן ויבעט daß Israel im Glück seines Gottes vergaß, ebenso wie die Erfahrung des Einzelnen, die uns zeigt, daß die auf der Höhe des Daseins Stehenden zumeist die religiöse Empfindung und Betätigung vermissen lassen, all dies lehrt uns. daß schwerlich יסודין מאהבה eine Erklärung für die Leiden des Gerechten sein können. Zudem böten sie ja nur eine Lösung für die eine Seite des Problems, nicht zugleich eine für das Glück des Schlechten. Die zweite Lösung ist die auf Grund der Unsterblichkeitslehre. So heißt es in Koheleth 3,16: Und ferner sah ich unter der Sonne: an der Stätte des Rechts, da war das Unrecht, und an der Stätte der Gerechtigkeit, da war das Unrecht. Da dachte ich mir: den Frommen und den Frevler wird Gott richten, denn eine Zeit für jegliches Vornehmen und für jegliches Werk ist dort! — ״Dort“! d. h. im Jenseits, das ״Dort“ hat sonst keinen Sinn. Deutlicher spricht das Hiob für seine Person aus in der oben wiedergegebenen Stelle 19,25—27. Ich aber weiß, daß mein Erlöser lebt u. s. f. Ledig meines Fleisches werde ich Gott schauen. — Und am deutliebsten am Schlüsse des oben parapbrasierten Psalms 73: ״Und nach allem führst du mich in Ehren heim.“ — ..Wenn auch mein Leib und mein Herz dahingeschwunden, meines Herzens Hort und mein Teil bleibt immerdar Gott! “ Die Lösung durch die Unsterblichkeitslehre führt uns einen Schritt weiter. Sie sagt uns, der irdische Erdenlauf des Menschen ist nur ein kleiner Bruchteil seines gesamten Lebens. Im Jenseits liegt die Ergänzung und Vollendung des Menschenschicksals hienieden. Dort wird erhöht, wer hier im Staube gelegen und erniedrigt, wer in seiner Sünden Lohn auf Erden geschwelgt hat. Die christliche Theologie schreibt dem neuen Evangelium das Verdienst zu, daß es die Unsterblichkeitslehre der Menschheit vermittelt, und so den Pessimismus, ״dessen das alte Testament nicht Herr wurde“, überwunden habe. Und in Bezug auf das Buch Hiob wird von den christlichen Bibelerklärern bemerkt1): ״Das Problem 1f E. Kautzsch, Abriß der Geschichte des alttest. Schrifttums S. 213

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