Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 116 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die göttliche Gerechtigkeit 116 geben kann, wird dem Frommen, der beseligenden Nähe Gottes gewiß zu sein, insofern ist er auch auf Erden glücklicher als der Frevler: ich weile siets bei dir, singt der Psalmist, du fassest mich an meiner Rechten — neben dir verlange ich nichts auf Erden —, mir ist die Nähe Gottes ein Glück. — Aber noch ein höheres Glück wartet seiner: die Unsterblichkeit im Jenseits. Und nach allem führst du mich in Ehren heim. — Wen habe ich sonst im Himmel?! Wenn auch mein Leib und mein Herz dahingeschwunden, meines Herzens Hort und mein Teil bleibt immerdar Gott! (23—28.) Soweit der 73. Psalm. Welche Antworten nun aus dem Buche Hiob und dem Psalm 73 und aus einigen anderen Stellen für unser Problem sich ergeben? Es sind zum Teil die bekannten, die in allen Theoäiceen wiederkehren. Auf zwei Antworten möchte ich aber die Aufmerksamkeit lenken, sie sind meines Wesens nach nie in ihrer Tragweite hervorgehoben. Von den bekannten Lösungen nennen wir als erste die, die Eiihu gibt. Das Leiden des Frommen ist Prüfungs- und Bewährungsleiden. Die Frömmigkeit kann von dem Glücklichen nicht in ihrer ganzen Höhe betätigt werden. Die Versuchung tritt nicht an ihn heran, er bleibt mit seiner Frömmigkeit im altgewohnten Geleise. Durch die Leiden wird ein Kampfesfeld eröffnet, die Frömmigkeit vermag immer höhere Stufen zu erklimmen und der höchste Lohn harrt des im Leiden Bewährten. Wir finden diese Erklärung für die Leiden des Gerechten auch im Talmud: Es ist dafür der Ausdruck geprägtnnrKW יסדרין.Leiden, die Gott dem Frommen aus Liebe sendet, um ihn eines immer größeren Lohnes würdig zu machen. Aber schon R. Jochanan antwortet (Berachoth 5 b) auf die Frage: Sind dir die Leiden lieb? ich will nichts von ihnen wissen, noch von ihrem Lohne. Und in der Tat entspricht diese Theorie nicht dem allgemein angenommenen Gedankengang des Judentums. In den Sprüchen (Prov. 30,8f) steht: ״Armut und Reichtum gib mir nicht, gib mir mein angemessen Brot. Daß ich nicht im Ueberfluß Gott verleugne und spreche: wer ist der Herr, und daß ich nicht verarme und zum Diebe werde und mich vergreife an dem Namen Gottes.1‘ Hier wird der Reichtum als eben-