Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 114 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die göttliche Gerechtigkeit 114 mein Herz verzehrt sich in meiner Brust. — Nachdem Hiob sich selbst gefunden, sieht er dem Problem mit größerer Ruhe in die Augen. Freilich ist der Vergeltungsglaube richtig, Hiob schildert jetzt selbst das harte Schicksal, das den Frevler trifft, aber dann ist das Leiden des Gerechten eben ein Rätsel. Dieses Rätsel zu lösen ist der Mensch außer Stande. Wohl ist Gott gerecht, belohnt die Guten und bestraft den Bösen, aber diese Regel hat Ausnahmen. Das Resultat erscheint wohl manchem dürftig. Allein das Erkennen der Unlösbarkeit eines Problems ist oft auch eine Lösung. Freilich, wer sich in Schmerzen windet, dem hilft eine solche Erkenntnis nicht viel zum rechten Trost. Es ist eine bekannte Antwort auf das Problem der Theodicee, daß, wenn wir im Stande wären, den Gesamtverlauf aller Ereignisse und Schicksale mit einem Male zu überblicken, wir die Notwendigkeit der Uebel an dieser Steile und zu diesem Zeitpunkt erkennen würden, und doch hat dieser Gedanke noch keinen über sein herbes Schicksal getröstet. Auch Hiob schickt sich in Gottes Fügung, aber der Stachel bleibt zurück. Jetzt wird das Erscheinen Gottes verständlich. Gott muß nicht nur erscheinen, um den Wunsch Hiobs zu erfüllen und für ihn zu zeugen und als höchste Instanz den Freunden Unrecht zu geben. In den Reden Gottes liegt auch eine Antwort. Freilich nicht explicite, deutlich ausgesprochen. Das würde sich nicht mit der Würde Gottes vertragen. Der äußeren Form nach sind die Reden Gottes nur eine Entfaltung dessen, was Hiob selbst erklärt hat. Für den Menschen, der keinen Einblick hat in das Wesen der Schöpfung und des Naturlaufs. bleibt der Einzelfall ein Rätsel. Und doch ist es mehr. Hiob erkannte die Gerechtigkeit Gottes an, aber für die Liebe Gottes hatte er kein Wort gefunden. In allen Beispielen aber, die in den Reden Gottes aus seinem Wirken beigebracht werden, erscheint er nicht nur als der Allmächtige, sondern als der Alliebende. So muß auch Hiob sich sagen, daß auch in seinem Leid der Gott der Liebe gewaltet hat. Und es war auch ein Akt der Liebe. Dem Widersacher, der. ungläubigen und spottsüchtigen Welt sollte gezeigt werden, daß der Fromme nicht um schnöden Lohnes willen seinem Gotte treu bleibt. Der Fromme wird vor aller Welt erhöht. Daß Hiob nichts davon erfährt, ist sehr