Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 105)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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^mjwmvu’m ■י■ ■1» 111 ווו—p——g— Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik. 105 3. Wie genial und zutreffend diese Parabeln und Antworten der Schriftgelehrten einst waren, trotz der Fülle von Erfahrung und Weisheit die in denselben auch aufgespeichert lagen, wie mächtig sie das Gemüt der Zuhörer auch bewegten, es bleibt doch zweifeihaft, ob sie die Atheisten überzeugten und überredeten. Es scheint fraglich, ob diese Reden das gewünschte Resultat erzielten. Der Ungläubige sah wohl das Schiff, das Haus, das Kleid, die Türe, den brennenden Turm — aber den Lenker, den Baumeister, den Weber, den Zimmermann, den Hausherrn konnten ihre blinden oder verblendeten Augen doch nicht erspähen. Sie fragten immer und wieder: Zeige mir deinen Gott! In diesem Punkte stimmt wieder die christliche Apologetik mit der jüdischen überein. Wir hören diese Entgegnung bei Justin, beiTheophilus,beiMinuciusFelix und auch von Celsus. Im Dialog Justins (c. 3) ist die Frage aufgestellt: Wie können die Philosophen von Gott sprechen, den sie niemais gesehen haben. Theophilus sagt: Wenn du aber sagst: ״Zeige mir deinen Gott!46, so möchte ich dir antworten: ״Zeige mir den Menschen in dir, und ich will dir meinen Gott zegen!44 (1. 2). Minucius Felix führt die Worte seiner Gegner in folgender Weise an: Ihren Gott kann man weder zeigen noch sehen, und doch soll er die Sitten, Handlungen, Worte, ja sogar die geheimen Gedanken aller genau erforschen (Dialog, x. 5). Endlich stellt der heidnische Philosoph Celsus die!־ragen: Wie kann ich Gott erkennen? Wie könnte ich den Weg erspähen, der zu ihm führt? Kannst du mir Gott zeigen? Du bedeckst meine Augen mit Dunkelheit, ich kann nichts klar sehen und begreifen (Orig. Contra Cels: V. 66). Diese Zeugnisse genügen um uns die Schwierigkeiten zu vergegenwärtigen, die von neugierigen Heiden, die Gott sehen wollten, künstlich erhoben wurden. Es gibt Perioden in der Geschichte der Menschlichkeit, in der das Vertrauen der Menschen, durch die herrsehende Falschheit und offenbare Lüge, so tief sinkt, daß man nur Ser sinnlichen Wahrnehmung, oder nicht einmal dieser Glauben schenken kann. Auch bei diesen Philosophen war jeder Glaube an die Wahrhaftigkeit so erschüttert, daß sie an einen Gott, trotz aller Beweise, nicht denken konnten. Wie kann man an einen unsichtbaren Gott glauben? — war ihre Frage. (Fortsetzung folgt.)