Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 103)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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103 Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik. ging seines Weges, und die Schüler fragten: Was ist der Beweis? R. A.: Meine Kinder, wie das Haus für seinen Baumeister, wie das Kleid für den Weber, wie die Türe für den Zimmermann Zeugnis ablegt, so bezeugt die Welt das Dasein eines Schöpfers, Gottes. Midrasch Temurah, ed. Wertheimer p. ט״ו und ט״ז. Die Worte דבר בריר werden in gaonäischer Zeit gebraucht, vergl. Dr. B. Levin, Charakteristik und Biographie des R. Sherira Gaon, Jaffa 1916, p• 14u. 1. R. Levi bedient sich desselben Beweises. Die Schöpfung der Welt ist ein unwiderleglicher Beweis für Gottes Existenz. Die Gestalt des Buchstaben ב zeigt nach oben und unten. Wie die Schöpfung ohne Schöpfer, so kann auch die Welt ohne Gott nicht gedacht werden, (j. Chag. 77c. Gen. r. 1, R. Jona als Tradent). Im Zeitalter nach R. Akibah, nach der Zerstörung von Bethar, gab es wieder Juden, die das Dasein eines allmächtigen, allgewaltigen Gottes leugneten. R.JehubabenJlai wiederholt, mit Bezug auf Deut 25,18, eine Ansicht seiner Zeitgenossen, die da sagten: Wenn Gott der Herr aller Werke ist, gerade wie er unser Herr ist, dann wollen wir ihm dienen, sonst aber nicht! (Pesikta p. 28a,Tnh.Exodr״ 26,2). Diese sahen, infolge der nationalen Katastrophe geblendet, im Gott der Bibel, gerade wie die heutige protestantische Theologie, einen Nationalgott und wollten an einen Gott, an einen Schöpfer von Himmel und Erde nicht glauben. Das Schriftwort und die Erzählung von Amalek, die doch wörtlich auf die Lage der Juden nach Bar Kochba paßten, konnten nach R. Jehuda alle Zweifel verscheuchen. Etwas mehr als 100 Jahre später beschäftigt sich R. Levi, einer der größten Apologeten des dritten Jahrhunderts, mit Leuten ähnlichen Schlages. Er schildert ihnen einen Mann, der seinen Sohn auf seinen Schultern trägt, um einen Markt zu besuchen. Der Vater erfüllt alle Wünsche des Knaben und sorgt für ihn in liebevollster Weise. Da begegnet ihnen ein Mann, an den der Knabe die Frage richtet: Hast du etwa meinen Vater gesehen? Narr, sagt der Vater, du sitzt auf meinen Schultern, ich kaufe dir alles, was du willst, ich sorge für dich, und du fragst: Wo ist mein