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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 100

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 100 (sequence 100)
Language
German
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100 Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik. scheinlich R. Joshua’s Begründung der Tatsache, daß die Welt nicht herrenlos sein kann, denn damit kann die Schöpfung und Leitung der Welt keine Erklärung finden. Drittens wird diese Frage in der Legende über Mirjam und ihre sieben Söhne behandelt. Die Söhne werden gefangen genommen, und vor den Kaiser gebracht. Sie sollen, die Götzen anbeten. Alle weigern sich. Der K. fragt hier den siebenten Sohn: Gibt es einen Gott?, gerade so wie im Dialoge des R. Gamaliel II und in dem des R. Josua ben Chananjah. Die AnL wort lautet gleichfalls: Wehe dir, Kaiser, denkst du etwa, daß die Welt herrenlos sei? (M. Sam, I 53 ed Buber p. 84, Pes. r. 43; verschieden ist die Version b. Gittin 57B, Tanna debe Elijahu c. 30, Josippon). Ganz wie in diesen Dialogen sagt der christliche Apologet Theophilus in seiner Schrift an Antölykus (I. 5): ״Gott wird aus seiner Vorsehung und seinen Werken erkannt. Denn gleichwie man, wenn man ein Schiff auf dem Meere sieht, das wohlausgerüstet dahin eilt und in dem Hafen einläuft, offenbar auf den Gedanken kommen wird, daß auf ihm sich ein Steuermann befindet, der es lenkt; so muß man auch Gott als Lenker des Alls erkennen, wenn er auch von leiblichen Augen, weil für sie unfaßbar, nicht gesehen wird.“ Der Apologet der Kirche benützt hier denselben Daseinsbeweis wie wir ihn bereits aus der Agada kennen. Es ist mehr als literaturgeschichtlichen Staub aufwühlen, wenn man das gegenseitige Verhältnis beider Quellen untersucht. Theophilus lebte und schrieb viel später als R. Gamaliel II, und zeigt auch sonst eine gewisse Abhängigkeit von rabbinischen Lehren und Vorstellungen (vergl. unsere Abhandlung Jews and Judaism in the earliest Christian Apologies im Expositor, 1919 p. 104—109), doch erscheint es fraglich, ob Theophilus nicht den Hellenisten näher steht als den Palästinensern. Das Beispiel R. Gamaliels, in welchem Gott als Lenker, die Welt oder das Leben als ein Schiff dargestellt wird, steht nicht vereinzelt da. Wir haben diese Vorstellung in einer wunderschönen Parabel des R. Simon ben Joch ai. Er stellt uns einen Mann vor, der zwei Schiffe mit Seil und Anker zusammenbindet, dieselben umstürzt, und so einen Palast errichtet. Solange die Schiffe fest zusammen gebunden dastehen, kann das Ge״ bäude bestehen, wenn die Seile reißen, stürzt auch der Palast zu-

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