Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 94

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 94 (sequence 94)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2292929-2292996-2292998--04031-2297313
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

94 Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik. Strömungen, daß der Einfluß von außen hier leichteren Eingang findet, und bedeutend fühlbarer ist als auf allen andern Gebieten geistiger Entwickelung. In Wissenschaft und Literatur bedarf es vieler Mühe und Zeit, bis sich ausländische Gedankenformen und Weltanschauungen in fremden Ländern einbürgern und eine herrschende Stellung gewinnen. Ganz anders auf religiösem Gebiete. Es ist der Beachtung im höchsten Maße wert, in welch kurzer Zeit das Christentum die Beherrscherin der alten römischen Welt geworden ist, und im Lande seines Entstehens, unter den eigenen Heimatsgenossen, wie unter den Semiten im allgemeinen keinen festen Boden fassen konnte. Trotzdem ist es nicht zu leugnen, daß die Gefahr des polytheistischen Einflusses drohend an dem Himmel des reinen Monotheismus schwebte. Unsere Weisen haben aber nicht bloß gegen den Polytheismus gekämpft, sondern auch gegen das Uebel des Atheismus. Eine Stelle im tannaitischen Midrasch zu V.B.M. 32.39 kann sich wohl nur auf Juden beziehen. ״Wenn jemand dir sagt, es gibt keine Macht im Himmel“ — so entgegne ihm: ״Seht nun, daß ich, ich es bin!“ (Sifre Deut. § 329. M. Tannaim, ed. Hoffmann, p. 202, verg). Theologische Tydschrift 49, 362). Es ist unmöglich zu erkennen, wie ein Heide durch dieses Citat von der Existenz eines Gottes überzeugt werden sollte. Anders verhält es sich aber, wenn wir uns vorstellen, daß ein Jude oder ein Kreis von Juden, die Behauptung öffentlich wagten: ״Es gibt keine Macht im Himmel!“ Ein Jude, einerlei nach welcher Richtung seine Gedankenwelt hinneigte, mußte sich immer noch eine gewisse Ehrfurcht vor der heiligen Schrift, eine heilige Scheu vor dem ewigwahren Mosesliede gerettet haben. Seine Behauptung mag gewesen sein: Gibt es eine Schriftstelle, die deutlich das Dasein einer himmlischen Gewalt verkündet? Ja, war die Antwort: Seht nun, daß ich, ich es bin. Die Agadisten sehen ferner in den בבי בליעל (I. Sam. 15,12) Leute, die das Joch des Himmels von sich losgelöst haben, und sagen: Es gibt keine Macht im Himmel“ (Midr. Sam. ed. Prag. 14a, ed Buber p. 328, Jalkut Simeoni, Sam. § 69, vergl. Sifre Deut. § 93 u. § 117 Bor. Synh. 111B). Die ״Kinder des Belial“ sind diejenigen, die das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.