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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 93 (sequence 93)
Language
German
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Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik. 93 Es gab Juden, geboren und erzogen in der väterlichen Religion, die das Dasein Gottes verneinten. Wie ist aber die Entstehung und die Entwicklung einer solchen atheistischen Strömung im ersten Jahrhundert zu erklären. Rein geschichtlich läßt sich die Frage kaum beantworten, weil doch über solche und ähnliche ketzerische Bewegungen Näheres nicht der Aufzeichnung, oder gar der Erhaltung würdig befunden worden ist, wie ja die Ketzergeschichte aller Zeiten und aller Glaubensbekenntnisse zur Genüge lehrt. Genaue Daten fehlen uns. und werden schwerlich jemals mehr zum Vorscheine kommen. Jedoch mit einem gewissen Maß von Sicherheit kann man auf zwei Erscheinungen des geschichtlichen Verlaufs hinweisen, die ihren Einfluß nicht verfehlten. Die eine drang vor außen ein, die andere ist mehr als ein Erzeugnis der inneren Lage anzusehen. Wir meinen erstens den äußeren Einfluß des hellenisehen Skepticismus, und zweitens die durch die politischen Vorgänge hervorgegangene innere Stimmung. Die Berührung des jüdisehen Geistes mit hellenischem Wesen, d׳es Monotheismus mit einer verfeinerten, d. h. philosophisch zurechtgelegten polytheistischen Zivilisation, sowohl in der Heimat, wie in der Diaspora konnte nicht ohne schädlichen Einfluß auf gewisse Kreise bleiben. Die traurige, unendlich trostlose, politische Stellung des Heimatlandes muß andererseits jedes patriotische Herz im tiefsten erschüttert haben, und die ״Kleingläubigen“ verzweifelten, und leugneten die Existenz des himmlischen Vaters, des Lenkers der Welt, des Schöpfers von Himmel und Erde. Einzelne Aeußerungen der zeitgenössischen Apokryphen-Literatur lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß die den Apokalyptikern nahestehenden Kreise, beim Anblick des zeitlichen Sieges der Macht über Recht, den! Kopf verloren hatten. Da aber die Zeit und der Ort der Entstehung dieser Schriftwerke gar zu unsicher ist, so verlieren sie viel von ihrer Beweiskraft. Unsere Aufgabe ist es jedoch zu beweisen, daß es eine atheistischen Bewegung unter der palästinensischen Judenheit des ersten Jahrhunderts gab, die geradezu zum Kampfe herausfordern mußte. Es ist eine oft bewunderte, aber noch immer ungenügend ererklärte Tatsache in der Geschichte der religiösen Bewegungen und

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