Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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92 Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik. Die Gotteslehre in der jüdischen Apologetik.) von D r. Marmorstein, London. 1. Das Dasein Gottes. 1. Gibt es einen Gott? Diese Frage bildet den Ausgangspunkt der altjüdischen Apologetik. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens, weil diese Lehre die Grundfeste, den Eckstein alles jüdischen Denkens und Lebens darstellt, und somit das Wesentlichste ausmacht, womit das Judentum von der Außenwelt unterschieden worden ist. Ein Judentum ohne Gott ist einerseits undenkbar, andererseits eine Ausgeburt einer verfälschten Geschichtsauffassung. Zweitens wurde die Frage überall aufgeworfen, wo Juden und Heiden einander begegneten, und über Religion im allgemeinen, und über die jüdische Religion im besonderen Gespräche führten. Ueber das Dasein Gottes wurde nachgedacht und -debattiert auf dem heimatlichen Boden, in Judäa, wie auch weit entfernt von den Gestaden des Jordanflusses, im Osten und Westen, in der Diaspora, in fremden Zungen, wie auch im hebräisch-aramäischen Idiom. Griechen wie Römer, Syrer wie Aegypter versäumten keine Gelegenheit, über diese Grundlehre des Judentums Auskunft zu erhalten, ihre Entgegnungen vorzutragen, oder ihre Antipathie gegen den Gottesbegriff im Ernst oder ironisch zum Ausdruck zu bringen. Es gehört nicht viel dazu, diese Stimmung aus den literarischen Denkmälern herauszufühlen oder zu begreifen. Allein, nicht nur Heiden, sondern auch Juden gegenüber, mußte diese Lehre verteidigt werden. *) Vorstehende Abschnitte sind einem größeren Werke, welches ״D i e Geschichte und Probleme der aitjüdischen Apologetik״ behandelt, entnommen. Wie die Gotteslehre der Grund- und Eckstein des ganzen Judentums bildet, so muß sie auch in der Apologetik den ersten Platz einnehmen. Das erste Kapitel bespricht die Existens, die Einheit und die Eigenschaften Gottes. Es braucht nicht betont zu werden, daß die Ansichten und Vorstellungen, die in diese nProblemen zum Ausdruck kommen, nicht nur für die Alten sprechen, sondern auch heute noch von bleibendem Werte sind. Auch in unseren Tagen muß der Lehrer des Judentums und der Erklärer des Gottes- Wortes stets aus den Quellen, die unsere Edlen und Alten gegraben, schöpfen. Mögen diese bescheidenen Zeilen, geschrieben in schweren und harten Zeiten, ihr Scherflein hierzu beitragen. London, 25. Tischri 5680. A. Marmorstein.