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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 89 (sequence 89)
Language
German
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wa Erziehungsträger!. 89 verspüren, und eine große Zukunft unseres Volkes erhoffen; über den Eindruck meiner Worte auf Assimilanten kann ich mich keinen Illusionen hingeben, weil sie zu sehr in den Anschauungen europäischer Dekadenz befangen sind und nicht die Opferwilligkeit der nationalen und religiösen Kreise haben; brauche ich aber zu sagen, daß ich beglückt wäre, auch dort gehört zu werden? — Jude sein, ein Sohn des ewigen Volkes, ein Jünger der edelsten Lehre, das heißt nicht zuletzt durch eigene Unbeflecktheit die Sündhaftigkeit der Welt verringern, rein leben, Reinheit als Vorbild auf dem eigenen Antlitz tragen. Und das andere, was den Abbau der Prostitution anbahnen kann, ist die Linderung von Not und Beseitigung von Armut. Das soziale Problem ist in der Tat mehr als eine fanatische Angelegenheit einer Partei, ja sogar mehr als der Wille der Aermsten zum Glück und erträglichen Leben: es ist das große Volksgebot, die Forderung, die der Lebenswille, der Kampf gegen das Absterben der Nation erhebt. So begegnet uns immer wieder in Schule, Haus und Leben der Ruf nach gerechter Verteilung der Lebensgüter, nach gesünderem Wirtschaftsleben. Ich kann nicht anders als annehmen, daß die Kapitalisten nicht wissen, wie ihr wachsender Reichtum ursächlich am sittlichen Elend der Welt beieiligt ist. Aber nachdem das Mahnwort sie geweckt hat, müssen sie hören und Konsequenzen ziehen. Sie können doch nicht wollen, daß Jüdinnen, Töchter des Gottesvolkes, Freudenhäuser bevölkern. Ich will in diesem Zusammenhang nicht viel von dem Anteil sprechen, den unser Geseilschaftsleben an der Ausbildung des Sexualgefühls hat. Insbesondere will ich mich hier nicht über Kleidüng, Tanz usw. äußern, weil mir das nur die Ausläufer und Ergebnisse — wenn auch bedeutsame — einer Gesinnung sind, die von Grund auf geändert werden muß. Eine Kritik unserer Gesellschaft und ihrer Zerstreuungen aber kommt einem Vernichtungsurteü gleich. Vielleicht lohnt es, ganz allgemein darüber ein kräftig Wörtlein zu sagen. Das Leben im Salon ist eine ständige Variation über das Thema: Wie kann ich meine wahre Gesinnung verbergen, Unerlaubtes in erlaubte Formen gießen? So setzt die Erholungsstunde in der Gesellschaft die Unwahrhaftigkeit des Berufslebens fort und ist gleich ihm ein raffiniert vervollkommneter Zweig

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