Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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86 Erziehung-sf ragen. eine besondere Untersuchung widmen, die freilich ein tiefes Sicheinfühlen und ahnungsvolles Entdecken erfordern würde; denn da ist viel seelisches Neuland. Die gewöhnlichen Methoden der Selbstbesinnung versagen da, und es möchten auch die Worte nicht ausreichen, immer gebührend zu sprechen. Aber hier gehts ja um ein anderes: Um die Klarstellung, daß die von der Liebe her bestimmte Ehe nicht nur größeres Glück im eigenen Haus gibt, sondern den Idealen der Sexualethik, der Keuschheit vor der Eher der Reinheit des Denkens zur Vermeidung des הרהור עברה infolge der dem Jüngling eröffneten Perspektive Verwirklichung ermöglicht, und endlich noch der Erfüllung dem Volk gegenüber, die vereinte Leistungsfähigkeit zweier Menschen sichert. Es ist unmöglich, das Sexualproblem, insbesondere dort, woes mit sozialen Fragestellungen zusammentrifft, zu behandeln, ohne wenigstens in Kürze der Prostitution zu gedenken. Der Thora Stellung zu ihr ist unzweideutig die der Ablehnung (siehe hierzu auch Preuß 1. c.). Das hat freilich weder die offene noch die geheime Prostitution verhindern können. Unendlich vielgestaltig ist die Geschichte dieses Sumpfes. Ich will dies Gemälde hier nicht entrollen. Die Psychologie und Lockrufe der זונה hat bereits in משלי eine klassische Schilderung erfahren, und die Geschichte der Kriege und Kulturen ist immer begleitet von dieser gräßlichen Pest. Für einen reifen Menschen ist das Dirnenwesen der Kriegeviel lehrreicher und erschütternder als die Schlachten. Denn während diese von Faust und Kraftenfaltung berichten, spielt sich im Schatten des Bordells die wahre Tragödie ab, weil hier beide Partner Würde und Menschenachtung vergessen und nur im Frondienst der Lust bzw. dem zum Erwerb erniedrigten Genuß stehen. Völlig unzulänglich sind die bisherigen Bemühungen des Staates gegenüber dieser schweren Aufgabe. Meist war die ganze Betrachtungsweise verfehlt; oft wurde die Frage der Zulässigkeit der Kasernierung von Dirnen gestellt — als ob damit das Problem erschöpft sei. Tatsächlich war bei solcher Einstellung viel Heuchelei im Spiel, und so war auch das Verhältnis der früher herrschenden Kreise in unserem Land zum sexualethischen Problem von Scheinheiligkeit diktiert. Man führte ein ״frommes44 Regiment — natür-