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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 85 (sequence 85)
Language
German
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Erziehungsfragen. 85 ich auf ein Echo. Sie sollen wissen, daß einst der Tag des Glückes kommt, der so groß ist wie גבהו שמים מארץ♦ Nicht krankhaft, sondern wie etwa in der Erwartung messianischer Tage sollen sie harren voll Glaubens. Sie sollen auch Mut haben und das Erworbene behaupten. ״Aber wer fest auf dem Sinne beharrt, der bauet die Welt sich.“ Der also sprach, war ein Weltweiser. Die hier hinsichtlich der Eheschließung geltend gemachten Grundsätze gelten sinngemäß für das ganze Leben; die Jugend soll losgerissen werden von der Kette niederer, selbstischer Handlungen und Gesinnung. Das jüdische Volk bedarf zu seiner Wiedergeburt jenes von Nützlichkeitsfragen befreiten, ja alles Opportunismus nicht achtenden Schwunges, der emporstrebt aus dem Wunsch des von großer Sehnsucht erfüllten Individuums heraus im Dienst des Volkes. Nur durch die Reife von Persönlichkeiten steigt das Volk empor; die Menge aber, die den steilen Weg nicht mitmachen will, soll wenigstens ehrfurchtsvoll den Stürmern Platz machen und in ihnen die Träger der Lebensenergieen des Volkes erblicken, nicht wie bisher, nur bemitleidenswerte, für die Welt unbrauchbare Mensehen, die man einmal gelegentlich eines Festes oder Kongresses braucht für eine schöngeistige Rede, sonst aber bedauert. Gerade aber auf dem Terrain der Liebe und Ehe bedarf es dieser gesundeten Anschauung; denn sie ist doch der Strahlungsmittelpunkt. Die Erwartungen des gesunden reifen Menschen richten sich auf sie, und von ihr gehen die Kraftstrahlen aus, die das künftige Geschlecht richtend beeinflussen. Die Arbeit des wirklichen Mannes wird von der Liebe her bestimmt: im Sinne der Förderung, falls er Erfüllung gefunden hat; im Sinne der Erkaltung, falls durch Enttäuschung seine Seele matt wird. Ich bin überzeugt, daß insbesondere die Arbeit für das jüdische Volk erst den Hauch echter Hingebung empfängt, wenn der Mann zuvor Liebe in dem naturgegebenen Rahmen gegeben hat; es ist wohl der Weg der Natur, daß die ursprünglichen Ge* fühle: Liebe zum Weib und den Kindern der vollendeten Hingabe ans Volk vorangehen muß. Aber die Liebe ist mehr als eine Generalprobe für völkische Ergebenheit. Sie ist die Geburtsstätte des großen Opferganges. Wollte man aber eine Analyse der durch die Liebe freiwerdenden Energien geben, so müßte man dem

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