Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1920)
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292996-2292998--04021-2297303- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
a 1 84 Erziehungsfragen. wirklichkeitsfremde Schwärmer will ich dadurch an die Stelle der bisherigen Utilitaristen treten lassen, sondern vielmehr Menschen, die den Scheinwert der vergänglichen Güter durch die Realität edler, ewiger Werte zu ersetzen bestrebt sind. Denn schließlich muß doch die Frau teilhaben am Lebenswerk. In den engen Verhälnitnissen des Ghetto war die Frau wirklich viel mehr Kameradin als die Frau des heutigen Bürgers, Finanziers oder Akademikers. Sie baute mit am Beruf und beteiligte sich an dem Erziehungswerk. Daraus ist nicht die Konsequenz zu ziehen, daß die Frau eines Bankiers ein Finanzgenie sein, die eines Philosophen Hegelscher Schule der gleichen Richtung huldigen müsse. Nur scheint mir, daß eine gewisse Adaptierung beider aneinander von vornherein möglich sein muß. Bisher wars doch meist so, daß das Vermögen der Frau an die Bedürfnisse des Mannes die einzige Anpassung darstellte, wozu sich in orthodoxen Kreisen meist noch die Aehnlichkeit der religiösen Ueberzeugung bzw. Praxis gesellte. Das aber reicht noch nicht aus. Der Sinn all dieser Worte ist, eine Rückkehr zu einer höheren Einschätzung der Lebensgemeinschaft vorzubereiten und die Liebe in ihrer Tragweite als das vereinigende und zusammenhaltende Moment aufzudecken. Diese Liebe, das elementare alles erfüllende Gefühl restloser Hingebung an die Gefährtin, des Erwachens der eigentlichen Lebensfreude und Schaffenskraft, die zweite Geburt des Mannes zu beseligtem Leben und völlig vom Egoismus gelösten Streben, das Keimen unendlicher Milde in dem harten Gewebe des männlichen Herzens, die alles der Gefährtin geben und von ihr nur noch die Gaben des Lebens empfangen will, ist doch eigentlieh nur in jüdischen Herzen zu höchster Blüte entwickelbar. Denn nur jüdische Seelen kennen die echte Vermählung, die Vereinbarkeit irdischer Aktivität und Glückhaftigkeit mit kosmischen, Gott zueilenden Gefühlen. Nur Juden glauben doch, daß Gott gerade den Bund zweier Menschen mit besonderer Fürsorge vorbereitet. Deshalb müssen auch die erhabensten menschlichen Regungen sprechen, wenn der Mann und das Weib sich zusammenfindeu. Und wenn diese schweigen oder gar nicht erwachen, dann hat die große Stunde nicht geschlagen. In der Brust unserer Jungen hoffe