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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 78 (sequence 78)
Language
German
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78 Erziehungsfragen. das große Geschenk von Liebe und Freundschaft in einer Gestalt einem gewährt. Diesem Moment soll der Jüngling erwartungsvoll entgegengehen, ungeschwächt und nicht durch tausend kleine Vorgefechte ermüdet. Zu dem Kapitel Sexualpädagogik gehört auch das ganze Gebiet der Charakterbildung, der Willensstärkung des Kindes. Gerade diesen Abschnitt hat Fr. W. Förster meisterhaft in seiner ״Sexualethik und -Pädagogik44 behandelt, so daß hier nur auf das Werk verwiesen zu werden braucht. Es sei nur für die, denen die Lektüre des Buches nicht möglich ist, bemerkt, daß Förster den größten Mangel der Schule in der völligen Vernachlässigung der Willensschulung erblickt. Er findet mit Recht, daß die Sexual- Pädagogik gerade von der bewußte^ Stärkung des Willens — und zwar ganz allgemein — ausgehe, damit das Kind und der Jüngling überhaupt Widerstandsfähigkeit erwerben. Der Askese, die er auch ethisch sehr hoch — vielleicht zu hoch — einschätzt, kommt besondere Bedeutung zu. Und zwar spricht er im Gegen״ satz zur Abstinenz als der direkten, von einer indirekten Askese auf vielen Gebieten. Er nennt da gelegentlichen Hunger, das schwelgende Ertragen von Schmerzen, den freiwilligen Verzicht auf manchen Genuß. Auch innerhalb der sexuellen Sphäre sucht er ein Gegengewicht gegen die Erotik, indem er gleichsam einen Zug gegen den anderen ausspielt. Er will Ritterlichkeit des Mannes als Abschwächung des Begehrens verwendet wissen, Ritterlichkeit will nur dienen und schützen und fordert kein Geschenk vom Weib. Freilich ist sich auch Förster auch dessen bewußt, daß diese Art der Unschädlichmachung von sinnlichem Begehren ein zweischneidiges Schwert ist, das nur dann verwendet werden darf, wenn bereits die Grundlagen eines gefestigten Charakters durch die vorangegangene Erziehung gelegt sind. Wir machen in dieser Abhandlung von spezifisch jüdischen Ge״ dankengängen nur deshalb keinen ausgiebigen Gebrauch, um die Zahl der Voraussetzungen einzuschränken und von einem breiteren Kreis verstanden zu werden. Es verdient aber hervorgehoben zu werden, daß wir meinen, daß die Befolgung der Sexualethik in hohem Grad von der Festigkeit und der Treue gegen die jüdische

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